Der Blindpunkt
des Kommunistischen Manifests
Nesrin Tura
Was
im kommunistischen Manifest über Frauen und die Familie gesagt
wird, kann man so zusammenfassen: Mit jedem industriellen Fortschritt
der die Arbeit erleichtert, wurden die geistigen und körperlichen
Fähigkeiten so ineinander verwischt, dass zunehmend Frauen
(wie auch Kinder) in Massen in die Produktion mit eingegliedert
wurden; was dazu führte, dass die klassische proletarische
Familie in sich zerbrach. Die Familie der Bourgeois hingegen war
auf dem Erbrecht und dem Privateigentum aufgebaut. Mit der Aufhebung
des Privateigentums wird somit auch die Familie der Bourgeois
abgeschafft.
Um den Inhalt des Manifests zu diskutieren ist es notwendig ein
Auge auch auf andre Quellen zu werfen, die im weiteren Sinne formuliert
sind. Mit einem marxistische Hintergrund über zum Thema Frauen
und Familie befasst sich das Buch „Familie, Privateigentum
und der Ursprung des Staates“ von Engels, das zum ersten
Mal im Jahre 1884 veröffentlich wurden und 2 Auflagen hat.
Engels vertritt in seinem Buch, dass die Frau mit dem Einstieg
in die gemeinschaftliche Produktion und der finanzielle Unterstützung
des Haushaltes, ihre ökono-mischen Unabhängigkeit gewinnen
und in der proletarischen Familie der Mann vollkommen seine Vorherrschaft
verlieren werde, hinzukommt nach dieser Bewertung auch neu gewonnene
Scheidungsfreiheit der Frau (Unabhängig von der Betrachtung
das der Mann die Frau, unter dem Vorwand der gesellschaftlicher
Werte, grob misshandelt). Weiter wird in diesem Werk ausgeführt,
dass die Befreiung der Frau in erster Hinsicht mit dem beginn
der gemeinschaftliche Produktion zusammenfällt.(1)
Die Geschichte zeigt, dass zum 150. Jahrestag des Manifests diese
Voraussicht nicht zutrifft. In den vergangenen 150 Jahren hat
die Familie, ob nun bürgerliche oder proletarische, eine
Vielzahl von Veränderungen erlebt und hat ihre materielle
sowie auch die ideologischen Kräfte beibehalten. Auch wenn
die Beteiligung der Frau an der gemeinschaftliche Produktion nicht
unterschätzt werden darf, ist sowohl ihre Position in der
gemeinschaftlichen Produktion als auch in der Familie durch die
Machtausübung des Mannes in der Familie bestimmt.
Auch in den Ländern die durch Revolution den Sozialismus
als Staatsform durchgesetzt hatten, wobei man hier die ehm. UDSSR
an erster Stelle als Beispiel nehmen kann, und in denen die Beteiligung
der Frauen an der gemeinschaftlichen Produktion teilweise bis
zu 90 Prozent der Gesamtheit ausmachte, und obwohl sich die Frauen
in allen Berufen Bewiesen haben, die als traditionelle Männerberufe
bezeichnet werden, waren sie gezwungen ihre geschlechtspezifische,
traditionelle Frauenrolle in der Familie beizubehalten. Das auch
unabhängig von dem was ihre Rolle in der gemeinschaftlichen
Produktion war. Veränderungen im Haushalt wie auch bei der
Kindererziehung haben nicht stattgefunden.
Diese Abweichung von der Vorhersage des Manifests in Bezug auch
auf Frau und Familie möchte ich auf zwei Unvollständigkeiten
der theoretischen Ansätze zurückführen.
Das erste ist, dass der Kapitalismus sich selbst erneuern kann
und es beherrscht unter Ge-ringschätzung in der Gesellschaft
vorhandene Machtstrukturen, diese für sich selbst primär
einzusetzen. Und das weitere ist, dass man übersehen hat,
dass der Kapitalismus es beherrschte die Unterdrückung der
Frau von dem vorherigen Patriarchat in sich zu integrieren. Diese
beiden Unvollständigkeiten sind unter den Umständen
der Zeit in denen das Manifests geschrieben wurde zum großen
Teil nachvollziehbar. Diese Unvollständigkeiten wurden von
den Autoren des Manifests im Nachhinein analysiert und verbessert.
Ein zweiter Mangel des Marxismus liegt in der Kritik, diese wird
vorwiegend von Feministinnen (insbesondere von den Marxistischen)
zur Sprache gebracht, die als „geschlechtliche Erblindung“
bezeichnet wird. Dieser Problematik wird in den Schriften von
„Gülnur Savran“ thematisiert.
Ich hingegen werde hier versuchen auf die nicht realisierten Voraussagungen
des Manifests historisch zu erläutern und darauf eingehen,
weshalb diese aus Sicht von Marx und Engels nicht hinterfragt
und thematisiert wurden.
Stiefkinder
des Proletariats
sind die ArbeiterInnen
Das
kommunistische Manifest wurde zu einer Zeit geschrieben in der
die industrielle Revolution die gesellschaftlichen Verhältnisse
durcheinander gebrachte hatte und in der Europa insbesondere in
England starke wirtschaftliche und politische Miseren herrschten.
Engels hat 3 Jahre vor dem Manifest, in einem Buch „ Zur
Situation der ArbeiterIennklasse in England“ über die
unerträglichen Lebensumstände der Arbeiter sowie über
die wilde kapitalistische Ausbeutung geschrieben, die er während
seines Aufenthaltes in England 1842, längere Zeit zuvor von
der Nähe beobachtete.
Der Kapitalismus, der Frauen und sowie Kinder in die gemeinschaftliche
Produktion integrierte, hatte die Entlohnung und damit den Lebensstandard
des Proletariats dermaßen abgesengt, dass durch schlechte
Ernährung, ungenügende Pflege, Cholera, Typhus und ansteckende
Krankheiten wie Windpocken dazu geführten, dass sie ArbeiterInnenklasse
hohe Verluste hinnehmen musste. Diese sind der gesellschaftlichen
Ansichten, die als Grundlage des Manifests genommen wurden. Dieses
wird im Manifest wird wie folgt zu Sprache gebracht: „denn
die Bourgeoisie hat den „Sklaven“, im Rahmen ihrer
Sklaverei, nicht die Gelegenheit gegeben sein Dasein aufrecht
zu erhalten, sie haben den Sklaven in eine Abhängigkeit gebracht
und statt sich zunächst selbst zu ernähren muss er erst
den Herren ernähren, er kann ohne diesen nicht mehr existieren.
Ohne die Herrschaft der Bourgeoisie kann er nicht existieren,
mit anderen Worten kann er auch seine Existenz mit der Gesellschaft
vereinigen.“(2) Diese Umstände veranlassten
Engels in seinem Buch „Zur Situation der ArbeiterInnenklasse
in England“ zu der Ansicht, dass in England eine gesellschaftliche
Revolution bevorstehe.
Durch den Generalstreik 1842 in England gegen die Chartisten und
auch der Spuren der Revolutionen 1848 auf dem Festland Europas,
die jeweils durch eine schlechte Situation hervorgerufen worden
sind, nahmen Marx und Engels an, dass die ArbeiterInnenklasse
siegen würde, doch es kam zum Gegenteil. Die Niederlage der
Revolutionen war vorprogrammiert und ein rasender industrieller
Fortschritt bat dem Kapitalismus eine gute Grundlage für
sein Wachstum.
Engels erwähnt im Vorwort seines Buches „zur Situation
der ArbeiterInnenklasse in England“ in der Auflage des Jahres
1892, dass auf die Repression 1847 ein wirtschaftlicher Aufschwung
kam, der zu einem neuen Höhepunkt eines neuen industriellen
Zeitalters führte.(3) In diesem Rahmen führt
er hier auch aus, dass die englische Bourgeoisie darauf hin alle
erforderlichen Maßnahmen für das Proletariat unternommen
hat, um sich als Klasse zu definieren und sich am besten zu entfalten.
In diesem Rahmen, hat die Bourgeoisie die Bezahlung in Naturalien
abgeschafft, Arbeitsschutzmassnahmen in den Fabriken eingeführt,
die Kanalisationen ausgebaut und das Gesundheitswesen verbessert.
Weiter wurden Vorkehrungen getroffen die Arbeiterslums unmittelbar
zu verbessern und die Arbeitszeiten für Jugendliche zwischen
13-18 sowie für Frauen auf 10 Stunden pro Tag zu reduzieren.
Kurz gefasst hat der Kapitalismus, parallel zu seiner Verbreitung,
einen gewissen Spielraum für das Proletariat geschaffen und
sich somit aus einer Misere entzogen. Diese Interpretationen aus
dem Vorwort Engels führten zu der Annahme, dass bei diesen
Entwicklungen er hinzufügen musste, dass seine Voraussagungen
über eine Revolution der ArbeiterInnenklasse nichts anderes
als ein „Irrtum seines jugendlichen Leichtsinnes“
waren.(4)
Kurz gefasst kann man sagen, dass Enges in seinem Werk 1892 den
Versuch des Kapitals seine geschichtliche Kapazität, sich
selbst zu erschaffen, sieht. Auch im Maifest wird gleichzeitig
ein geschichtlicher Versuch unternommen die Voraussagungen bezüglich
der proletarischen Frauen und Familie zu erklären und zu
beinhalten. Die Annahme im Manifest zum Zerfall der proletarischen
Familie, stützte sich primär auf der Annahme, dass Frauen
in verstärkter Form als Arbeitskräfte eingesetzt werden
würden.
Jedoch werden wir im folgenden aber sehen, dass diese Annahme
falsch war und in den bis 1892 andauernden Umständen sich
viele Indizien verbargen, die solche Annahmen, teilweise von Engels
auch zur Sprache gebracht, widerlegt wurden. Festzustellen ist,
dass Engels jedoch in seinem Vorwort von 1892 nicht auf das Thema
eingegangen ist, in welchem Maße, die Entwicklungen seit
1840 einen Einfluss auf die Frauen und die Familie hatte.
Engels schreibt in seinem Buch „Zur Situation der ArbeiterInnenklasse
in England“ über die Folgen der Arbeitskraft von Frauen
und Kindern in der Industrie, die auch an Stelle der Arbeitskraft
des Mannes eingesetzt wurde und hierdurch zerstörerische
Einflüsse auf die Familie bewirkt hat. Es malt ein trauriges
Beispiel eines Arbeiters, der keine Arbeit findet auf, der seine
Kinder betreut, die Hausarbeit verrichtet und die Strümpfe
seiner Frau stopft. Da die Ehefrau 12 Stunden in der Fabrik arbeitet,
kommt sie am Abend erschöpft nach Hause. Es wird hervorgehoben,
dass sich rein gesellschaftlich nicht geändert habe und diese
Situation für einen Arbeiter schwer zu ertragen ist. Weiter
wird ausgeführt:“ die unausweichlich mit dem Fabriksystem
bedingte Dominanz der Frau auf den Mann ist ebenso unmenschlich,
wie die Unterdrückung der Frau durch den Mann in der Vergangenheit
war.“(5)
Daraus resultierend, bewertet er die Wichtigkeit der Arbeitszeit
auf 10 Stunden zu reduzieren, die damals gesetzlich geregelt werden
sollte. Das drei bis vier Jahre später veröffentlichte
Manifest, beinhaltet folgenden Argument über das bis dahin
schon längst verabschiedete Gesetz über die Regelarbeitszeit
von 10 Stunden: Die ArbeiterInnenklasse profitiert von der Spaltung
der Bourgeoisie und versucht gesetzliche Grundlagen für ihre
Rechte durchzusetzen. So wurde die Regelarbeitszeit
von 10 Stunden in England gesetzlich verankert.(6)
Auch 44 Jahre nach dem Manifest beeinflusst das Vorwort und die
Maßnahme der 10 Stunden Regel-arbeitszeit für Jugendliche
und Frauen, die Situation der Frau und Familie erheblich. Engels
geht hierauf in seinem Vorwort nicht näher ein.
36 Jahre später nach dem Manifest schreibt Engels in der
Zeitung die „Wurzel“, dass der Grund für die
Unterdrückung der Frau im Privateigentum läge und man
kann keine veränderte Haltung zur Befreiung der Frau, die
in der Beteiligung an der gemeinschaftliche Produktion läge,
erkennen.
Zusammengefasst bewertet das Vorwort von 1892 und das Manifest,
die Regelarbeitszeit von 10 Stunden für die Frauen und Kinder,
als den Moment, in der die ArbeiterInnenklasse den gegenseitige
Konkurrenzkampf aufgibt und eine Einheit im Kampf gegen die Bourgeoisie,
einige Verbesserungen abzuringen, erstmalig darstellt. In dieser
Zeit wurde nicht erwähnt dass die Hälfte der ArbeiterInnenklasse,
in einigen Sektoren mehr als die hälfte Frauen waren und
sie während der Auseinandersetzung ausgegrenzt wurden und
alles unter dem Deckmantel als ein Sieg für die Familie angesehen
wurde. Welche Auswirkung die 10 Stun-den Regelarbeitszeit für
die Frau, deren Befreiung und die Zerspaltung der Familie hatte
wurde jedoch nicht zur Sprache gebracht.
Im Manifest von Marx und Engels wird weder im Besonderen noch
im Allgemeinen, was wir als „geschlechtliche Erblindung“
benennen auf die Leere eingegangen, leider von den späteren
Marxisten auch nicht neutral dargestellt.
„Die heutige aktive Teilnahme der Frau in der Industrie.....bedeutet
dass sich die Last auf ihren Schultern vergrößert hat.
Der Mensch aber kann nicht zwei Herren gleichzeitig dienen. Wenn
die Frau eines arbeitenden Mannes, um das tägliche Brot zu
verdienen, auch arbeitet, ist die Gesellschaft die Leithagenden.“
1892 definiert Karl Kautsky in seinem Buch der Klassenkampf die
immer steigende Teilnahme der Frau in der Produktion wie folgt(7)
: Trotz der geschlechtlichen Erblindung in der Theorie von Marx
und Engels, ist von der Unterwerfung der Frau ihrem Mann gegenüber
nicht die Rede, aber mit genügend Beispielen darstellt wurden.
Doch in dieser theoretischen Leere bleibt die Theorie nicht ganz
Standhaft!
Wie die Frau in der gesellschaftlichen Produktion und wie in einigen
Reproduktionsengebieten ausgegrenzt wird
Mit
den Anfängen des Kapitalismus ab dem 17 Jahrhundert, begann
sich die Familie in ihrer Organisation und auch Funktion erheblich
zu ändern. Während sich die Bedeutung der Familie in
der Produktion rasant verringerte, wurde ihre Rolle zur Grundlage
des Konsums gemacht, sie wurde auf die Pflege der Arbeitskraft
und der Reproduktion begrenzt. Durch die Trennung von Kapital
und Arbeitskraft, von Arbeitsplatz und Haus, von der materiellen
Produktion und Hausarbeit, hat sich auch in geschlechtlicher Hinsicht
bei der Arbeitsteilung bekannt als „Frauenarbeit“
geändert und hat für die Frau Lebensweisende Ergebnisse
geschaffen. In dem der Kapitalismus die Produktion aus den Häusern
herausgeholt hat und eine Grundlage für billige und viele
Arbeitskräfte geschaffen hat, wurde die Gruppe der Frauen
und Kinder in die gesellschaftliche Produktion eingebracht. Leider
war das nur eine von zwei Entwicklungsprozessen, die sich daraus
ergeben haben. Denn auf der anderen Seite hat sich die Funktion
der Familie als Produktionsort verringert und die Produktion der
Frauen von zu Hause ist in die gesellschaftliche Produktion eingeflossen;
viele dieser Produktionen wurden so zu „Männerarbeiten“.
Die Bierproduktion steht hier für ein gutes Beispiel; Die
besonders unter Frauen verbreitete Produktion von Bier wurde ab
Ende des 17 Jahrhunderts zu einem organisierten Beruf und für
die Frauen verschlossen. Häusliche Fertigkeiten der Frauen
waren um diesen Beruf auszuüben nicht ausreichend geeignet.
Selbstverständlich konnten die Frauen wenn sie wollten für
ihre Familie Bier herstellen, aber dieses war dann für eine
Spezialisierung und für eine Verbreitung in die Öffentlichkeit
nicht mehr so leicht.(8)
Das Gleiche zum Beispiel, kann man auf die traditionellsten Frauenarbeiten
wie das Spinnen und Weben, was durch die Textilindustrie vollkommen
überflüssig gemachte wurde, sehen und auf viele andere
Beispiele anwenden.(9)
Somit wurden die Frauen mit der Einbindung in die gesellschaftliche
Produktion in den Bereichen in den sie ohne hin Aktiv waren ausgegrenzt.
Anderseits wurden auch viele Dienste die vor dem Kapitalismus
in der Gesellschaft durch die Familie erbracht wurden, die man
auch als Reproduktion bezeichnen kann, Professionalisiert und
zu Männerarbeiten gemacht. Besonders zeigt sich diese Professionalisierung
in der Medizin und in der Erziehung, dessen Ergebnis die im 17
Jahrhundert stattfindende wissenschaftliche und intellektuelle
Entwicklung ist, aber gleichzeitig in der kapitalistischen Organisierung
von Handel und Wirtschaft zu neuen Arbeitsfeldern gebunden wurden.
Die zum Haushalt gehörende Tätigkeit der Krankenpflege
und Betreuung wurden Spezialisiert und erforderten eine Bildung,
und weil Frauen von dieser besonderen Bildung abgeschnitten waren,
fing man an diese Tätigkeiten auch in Haushalt für Frauen
als unangemessen zu bewerten.(10)
Kurz gesagt, betraf auch die hier bezeichnete Ausgrenzung der
Frauen in der Reproduktion, auch Bereiche wie der Medizin und
Erziehung. Die im 19 Jahrhundert eingeführte Alterserhö-hung
für die Arbeit von Kindern und mit der Einführung der
Schulpflicht, begann man auch die Erziehung von Kindern, die vorher
in der Familie und innerhalb Produktion stattfand, als für
Frauen unangemessen anzusehen. Denn weder in der Entwicklung von
Medizin noch in der Erziehung hatten die Frauen einen Platz eingenommen.
Der Kapitalismus bedeutete für die Frauen zweierlei Entwicklungen.
Einerseits wurden Frauen in die Produktion eingebunden und auch
der anderen Seite wurden sie in von Produktion und in der Reproduktion
ausgeschlossen. Denn auch mit dem Wandel in die gesellschaftliche
Produktion und der Einbindung der Frau in diese, musste sie sich
auch wandeln, die Produk-tion trennte sich vom häuslichen
und mit fortschreitender moderner Industrie verbreitete sich die
Spaltung Arbeitsprozesse und die Spezialisierung nahm zu.
Während nach den Prinzipien des Kapitalismus der Platz der
Frauen in der Produktion neu definiert wurde, wurde auch die von
der vorherigen Gesellschaft übernommene geschlechtliche Arbeitsteilung
geformt und verwurzelt. Während Frauen in der Produktion
die Verlängerung der häuslichen Arbeiten verrichteten
und ausnahmslos in Geringlohnbereichen konzent-riert wurden, wurde
der Reproduktionsbereich in Haushalt begrenzt, in dieser Phase
wurde die Reproduktion im engen Rahmen nur auf die Kernfamilie,
Versorgung von Mann und Kindern und Haushalt bezogen.
Zweifelfrei wurde diese Phase von den Frauen in den verschiedenen
Klassen unterschiedlich erlebt. Es wurde propagiert, dass Frauenarbeit
schlecht ist, die Ideale der Mittelschicht, wo Frauen sich ausschließlich
um den Ehemann, Kinder und dem Haushalt widmen sollten, an die
ArbeiterInnenklasse erfolgreich aufgedrückt und die eigene
Widersprüchlichkeit konnte nicht verborgen werden. Während
der Frauen der obigen Klasse selbst die Verwaltung des Haushaltes,
für Dame von Welt, als nicht angemessen vermittelt wurde
und dieses besonders von den Frauen der Mittelschicht als Vorbild
gesehen wurde, haben diese Frauen den Luxus nicht Hausarbeit verrichten
zu müssen genossen, in dem sie Arbeiterinnen für Haushalt
und die Kinderpflege eingesetzt haben. Eine nicht arbeitende Ehefrau
wurde als zeichnen von Reichtum und Prestige für den Mann
gesehen. Mit gesteigerter materiellen Produktion und Vielfalt,
die Haltung eines Dienstmädchens, sowie Erfindungen, wie
z.B. der Nähmaschine ect. erlaubte es sich eine privilegierte
Schicht zu Hause nicht arbeiten zu müsse. Im Gegensatz hierzu
mussten einer Vielzahl von Frauen der unteren Mittelklasse und
der ArbeiterInnenklasse zu Hause und Draußen arbeiten.
Das die Frauen in der Produktion in bestimmten Bereichen ausgegrenzt
wurden und mit den Prinzipien der neuen Bourgeoisiefamilie und
der Tatsache, dass sie nicht in den Fabriken in der Produktion
tätig waren, ist der Begriff der „Frauenarbeiten“
durch die Tätigkeit der Arbeiterinnen in verlängerten
Hausarbeiten entstanden; Waschfrauen, Schneiderin, Putzfrauen,
Amme und vergleichbare Tätigkeiten. Auch wenn das durch die
Klassenunterschiede die Frauen in ihrer Lebensweise unterschied,
war durch den Kapitalismus dennoch eine Gemeinsamkeit gegeben;
sie übernahmen im Privatsektor die Hausarbeiten und Kinderbetreuung.
Das ist auch das, was den Frauen in der Reproduktion und in der
gesellschaftlichen Produktion ein Zeichen setze.
Die
Restaurierung der proletarischen Familie
Mit
der Entwicklung, bei gleichzeitig hervorragender Kreativität
und gleichermaßen zerstörerischen Ergebnissen, der
industrielle Revolution des 19 Jahrhunderts, hat Kapitalismus
von Anfang die geschlechtliche Arbeitaufteilung bedingt, sei es
in der gesellschaftlichen Produktion, wie auch im Haushalt und
das Ergebnis war, dass sie einander angeglichen und geformt wurden.
Mit der industriellen Revolution und der zunehmenden Eingliederung
von Frauen und Kindern in die gesellschaftlichen Produktion und
der Zustand in der sich die Arbeiterfamilie befand, zwang die
Organisationen der ArbeiterInnenklasse und auch der Kapitalisten
zum Handeln. Im 19 Jahrhundert, wie auch Anfang des 20 Jahrhunderts
wurde durch neue Reformen ver-sucht, zur Pflege der Arbeiterfamilien
und derer Reproduktion, im Wege die Kinder zu gesellschaftliche
und die Frauen nach den Idealen der Mittelschicht, bei denen die
einzige Funktion der Frau auf Familie und Haushalt beschränkt
war, soweit wie möglich anzugleichen.
Zunächst wurde die Arbeitszeiten von Frauen und Kinder neu
geregelt und die Arbeit von Kleinkindern verboten. Das hatte besonders
für die hohe Kindersterblichkeitsrate bei Arbeiterfrauen
lebenswichtige Funktion, aber gleichzeitig begann auch die Arbeitsbegrenzung
der Frauen, besonders derer die verheiratet waren und Kinder hatten.
Mit einer einzigartigen ideologischen Propaganda wurden gegen
Frauen in Männerberufen, besonders in Bereichen mit hohem
Lohnniveau, agiert.
Das Frauen in den Geringlohnsektor abfielen und in bestimmten
Bereichen der Produktion abgeschoben wurden, haben im besonderen
Maße auch die Arbeitergewerkschaften aktiv Mitbeigetragen.
1854 hat in den USA ... die Nationale Druckerei Gewerkschaft in
ihre eigene Satzung aufgenommen, dass „Frauen“ Schriftsetzerinnen
nicht aufgenommen werden sollen...
1879 hat der Vorsitzende Internationalen Zigarettenhersteller
Gewerkschaft Adolph Strasser gesagt: “Wir können die
Frauen aus der Gewerkschaft nicht ausschließen. Aber wir
können ihre Tagesarbeitsquote durch die Fabrikgesetze ausschließen.“(11)
In dieser Zeit haben die Gewerkschaften angefangen die Forderung
aufzustellen, nur auf den Lohn des Mannes beschränkt, um
die ganze Familie mit einem „Familieneinkommen“ zu
versorgen. Eigentlich hat es diese Forderung bereits gegeben,
aber erst im 19 und Anfang des 20 Jahrhunderts wurde dies ungesetzt.
Das führte auch dazu, dass Frauen in der Reproduktion und
gesellschaftlichen Produktion vor und nach der Entbindung die
Arbeit verboten wur-de. Somit wurde das Lebend der Kinder, die
Pflege und das Wohlbefinden der Männer, in den ArbeiterInnenklassen,
die geschlechtliche Arbeitsteilung in einem traditionellen Sinne
neu definiert und auf dem geringsten Standart bestimmt; Wie es
im Haushalt bereits üblich war, wurde jetzt auch in der Produktion
so wie im Wirtschaftsektor die als „Frauenarbeiten“
bezeichneten Bereiche, zum größten Teil von jungen
Mädchen, von ledigen Frauen oder auch von kinderlosen Frauen
übernommen. Trotz des „Familieneinkommens“ war
im Kapitalismus nach seinem Wesen her, auch zeitweise Unterschiede
zu sehen waren, keineswegs die Rede davon auf die billige Arbeitskraft
der Frau zu verzichten. Somit „sei bei der Arbeits-kraft,
wie Drinnen auch Außerhalb, haben Frauen der ArbeiterInnenklasse
und auch im All-gemeinen die Hauptrolle bei der Versorgung der
Männer und Kinder gespielt und waren bei ihrer eigenen Versorgung
von den Ehemännern, sei es in der Arbeitswelt oder außerhalb
dieser, erwartungsgemäß abhängig und die Frauen
sie waren mit ihrem Einkommen, bei der Arbeitskraft Drinnen wie
Draußen, ebenso, in einer unverständlichen Weise, abhängig.“(12)
Ich möchte zum Maifest zurückkehren: „Egal wie
wenig die Fertigkeit und der Kraftaufwand des Handwerkes war,
um es anders zu definieren, um so mehr sich die moderne Industrie
Entwickelt hat, desto mehr haben Frauen (und Kinder) die Arbeit
der Männer übernommen.
Alters und geschlechtliche Unterscheide haben innerhalb der ArbeiterInnen
klasse somit hatte sie keine trennenden gesellschaftlichen Faktoren.
Dies Alles in der Nutzung, im Alter und abhängig vom Geschlecht,
ist mehr oder weniger eine teuere Mitte.“(13)
Ach
wenn die Frauen als ein Teil in der Ersatzindustrie billige Arbeitskräfte
sind, konnten die Frauen den Platz von Männerarbeit nicht
übernehmen, weil mit fachlicher Kompetenz, mehr oder weniger
zunehmender unterschiedlicher Arbeitsqualität und gleichzeitig
eignendliche Funktion der Frau als Hausfrau definiert, wurde der
Markt in „Frauenarbeit“ und „Männerarbeit“
unterteilt. Genau wo die Arbeitskraft geschlechtlich an billig
oder teuer geknüpft wurde, hat der geschlechtlicher Unterschied
für die Frauen zumindest „eine besondere gesellschaftliche
Realität geschaffen“. Der durch den Kapitalismus geschaffene
Konkurrenzkampf unter den Arbeitern und im Gegensatz zu dieser
im Manifest verankerten Einheit der ArbeiterInnenklasse nimmt
einen besonders wichtigen Platz ein. Auch wenn die Arbeiterfrauen
den Konkurrenzkampf als ein Grundstein bewerten, ist mehr, wenn
man das so zur Hand nimmt, dass die Beharrung auf dem gemeinsamen
Vorteil für die Arbeiterfamilie als Grundstein zu sehen,
ist das Thema der Einheit, nicht als Proletariat sondern als Partnerin
inbegriffen. Das der Gesetzentwurf zur zehn Stunden Arbeitszeit,
von den Frauen nicht problematisiert wurde, ist ein Hinweis dafür.
Solange die gesellschaftliche Produktion von der geschlechtlichen
Differenzierung sich nicht abwendet und in der Familie die geschlechtliche
Arbeitsteilung nicht hinterfragt wird, bedeutet für die Frau
der Eintritt in die gesellschaftliche Produktion nicht die Befreiung,
sondern wie die Geschichte es erwiesen hat die Fortführung
als doppelte Arbeitskraft als selbstverständlich. Es ist
nicht möglich sich Hartmann anzuschließen:
„Die ersten Marxisten haben das erworbene Recht der Männe,
gegenüber den Frauen, auf diese fortführende Selbstverständlichkeit
nicht erkannt. Sie haben davon profitiert, dass die Männer
Hausarbeiten nicht zutun hatten, Frauen und Mädchen ihnen
zudienten, sie Vorteile dadurch am Arbeitsmarkt besser nutzen
konnten. Die ersten Marxisten haben die patriarchalische Beziehungen
als Vorwand genommen, dass diese von den Vorfahren als Überbleibsel
überwunden Beziehungen auch vom Kapitalismus rasant eingesetzt
mal dahingestellt, habe sie ihr Dasein fortgeführt und mit
dem Kapitalismus zusammen sind sie stärkend gewachsen. Kapital
und das Privateigentum ist nicht der Grund, dass Frauen als Frau
unterdrückt werden sondern ausschließlich die Beendigung
dieser nicht die Unterdrückung der Frau beenden wird.“(14)
Die proletarische Familie, wurde neben den Kapitalisten, von den
Organisationen der Män-nerarbeiter und der Gewerkschaften
Mittels einer Reihe von Aktionen vom Zerfall gerettet. Wie sehr
auch in den sechziger Jahren bis Heute, von Zeit zu Zeit neu an
der Tagesordnung, über der Zerfall der Familie diskutiert
wird diese Diskussionen nicht zu einem Fortschritt führen,
solange sie nicht auf der Grundalge des Privateigentums geführt
wird. Solange die Familie auf geschlechtlicher Arbeitsteilung,
auch wenn gemeinsame Vorteile zu sehen sind und sich entgegenstehende
Interessen begegnen und Frauenarbeit von Männern kontrolliert
wird und dieser Arbeit beschlagnahmt wird und nicht als eine Basis
gesehen wird, ist die positive Bedeutung der Familie nicht zu
erkennen.
1
F. Engels „Familie, Privateigentum und der Ursprung des
Staates, IV. Kapitel, Seite 98-106
2 F. Engels/K. Marx, Manifest Der Kommunistischen
Partei, Kapitel, Bourgeois und Proletarier, Seite 32
3 F. Engels, Zur Situation der ArbeiterInnenklasse
in England, Teil:Die großen Städte, Seite, 30
4 an gleicher Stelle S 34
5 E. Engels „Zur Situation der ArbeiterInnenklasse
in England“ S. 210
6 F. Engels/K. Marx „Das kommunistische
Manifest und Kommistische Prinzipien“ siehe oben S. 119
7 Aktuin Heidi Hartmann „Die Unglückliche
Ehe des Marxismus mit dem Feminismus“ Die unsichtbare Arbeitskraft
der Frau (mit Beiträgen von Gülnur Savran/Nesin Tuna
Kardelan
Verlag Istanbul 1992 S. 148
8 Catherine Hall „The History of the Housewife“
The Polititics of Housework (der. Ellen Malos) beinhaltet, Altison
and Bushy, London/ New Yorek 1982 S.53
9 siehe an oben genannter Stelle S. 63
10 siehe an oben genannter Stelle S. 52
11 H. Hartmann a.g.e. S. 148
12 Ellen Malos „The Politics of Housework
(der. Ellen Malos) “Interduktion” a.g.e. S. 19 bei
einem Großteil dieses Kapitels habe ich mich auf das Vorwort
von Ellen Malos bezogen
13 F. Engels/ K. Marx, das Kommunistische Manifest
und die Kommunischtische Idiologie .
an genanter Stelle S. 117
14 H. Hartmann an genannter Stelle S. 132