Der 1. Mai ist nicht der Name
der Klassenversöhnung,
sondern der des Klassenkampfes!!!


Nach der Zeitbegriff der Herrschenden Ende
des 19. Jahrhunderts haben ALBERT PARSONS, AUGUST SPIES, LOUIS FISCHER und ihre Kampfgenossen mit dem Feuer der Freiheit,
Gleichheit, Einheit und Solidarität, daß sie in
Chicago entfacht haben, die Herzen aller
Unterdrückten der Erdoberfläche erobert,
ihre Wut geschliffen und zum ersten Mal in
der Geschichte haben die ArbeiterInnen der Welt gleichzeitig lediglich in den 1. Mais mit dem
gleichen Zorn und der gleichen Begeisterung die Straßen erobert. Der 1. Mai ist als der einzige Tag, an dem die ArbeiterInnen wie aus einem Munde
das Manifest ihrer gemeinsamen Befreiung heraus geschrien haben, und als einziger Tag geboren, an dem die ArbeiterInnen aus den Zeiten, die dem
Ebenbild der Herrschenden glichen, heraustraten.
Doch die Tage, an denen die Unterdrückten mit
ihrem Leben Leben gaben und an denen sie für
ihre gemeinsame Befreiung die Straßen eroberten,
sind ohne Leben zu finden erwürgt worden.
Die Herrschenden haben es, auch wenn es lange gedauert hat, mit der unvergeßlichen Hilfe
der Sozialdemokratie, der Befürworter eines Sozialismus mit Bürokraten und Generälen und
der Gewerkschaftsführer geschafft,
die revolutionäre und internationale Substanz
des 1. Mai auszuhöhlen und die erste große internationale Niederlage in ihrer Geschichte mit einem Sieg davonzutragen und erneut über alle Zeiten zu herrschen. Jetzt ist nichts mehr so
wie in den schönen alten Zeiten; der 1. Mai ist
nicht mehr der Tag, an dem die ArbeiterInnen
aus einem Munde „EINER FÜR ALLE, ALLE FÜR
EINEN“ heraus schrien; ist nicht mehr der Tag,
an dem die internationale Bourgeoisie in Furcht versetzt wurde; ist nicht mehr der Tag, an
dem A. Parsons und diejenigen, die für die selben Ideale fielen sagen würden „Wie schön wäre es, wenn auch wir in dieser begeisterten Menge sein könnten“ und ist nicht mehr der Tag, den sie mit bekümmerter Freude betrachten, weil sie nicht
mit den ArbeiterInnen, die die Straßen eroberten Schulter an Schulter sein können. Die gestrige
Parole „EINER FÜR ALLE, ALLE FÜR EINEN“ die an jedem 1. Mai gerufen wurde, lautet heute
„ALLE UND ALLES FÜR MICH“.
Natürlich werden auch dieses Jahr, wie jedes Jahr,
in allen Geographien der Erde die ArbeiterInnen
auf die Straße gehen, doch ihre Herzen werden
nicht für die gleichen Ideale schlagen, und sie
werden in den verschiedenen Sprachen nicht dasselbe Lied singen. Denn die ArbeiterInnen
der Welt sind in der Weise in feindliche Lager gespalten, wie sie es in der Geschichte noch nicht waren. Und internationale Werte, wie Einheit, Solidarität und Gleichheit bedeuten nur noch
was für die Armen.
Die ArbeiterInnen aus den arm gemachten
Gebieten außerhalb des Reichen Westens befinden sich in einer Situation, in der sie als Konsequenz
der Plünderung des Westens dem totalen
Untergang überlassen sind, mit ihrer wachsenden Zahl die reichen Grenzen des Westen drängen und nach einer „Befreiung“ suchen. Doch die ArbeiterInnen im Westen sind diejenigen, die sich
für die Schließung der Grenzen gegen die armen ArbeiterInnen am beharrlichsten einsetzen, und
nicht nur das, um vom Reichtum des Westens
noch mehr abzubekommen haben sie sich mit der Bourgeoisie an den Verhandlungstisch gesetzt und sich zum Totengräber der armen Mehrheit gemacht. Während die Lage der westlichen ArbeiterInnen so ist, haben sich die Gewerkschaften, die „Klassenorganisation“ der ArbeiterInnen in
soziale Einrichtungen verwandelt, die die ArbeiterInnen in das System integrieren.
Die Situation der Gewerkschaften ist besonders kritisch, denn sie erheben nicht einmal die Stimme gegen die Zeitarbeitsfirmen, die die Arbeit und ArbeiterInnen vermarkten, das heißt gewerkschaftslos und organisationslos machen,
was ein Ende der Gewerkschaften bedeutet.
Kommen wir zu den Westlichen Sozialistischen Kräften1, die behaupten für die internationale Befreiung der ArbeiterInnenklasse zu kämpfen;
die verraten den revolutionären Geist des 1. Mais
und die internationalen Werte des Kommunismus
im wahrsten Sinne des Wortes. In dem Sinne,
daß sie einen die Führung der II. Internationale,
die die akzeptierte Grundvorraussetzung
des Kampfes für den Kommunismus der internationale Aufruf aus dem Kommunistischen Manifest „Arbeiter aller Länder vereinigt euch“ gekreuzigt haben, nicht missen läßt.
Genau deswegen setzen sich die Westlichen
Sozialistischen Kräfte für den weiteren Erhalt des Sozialstaates ein, das die internationale ArbeiterInnenklasse spaltet, was zum Verrat
der westlichen ArbeiterInnenklasse gegen
die WeltarbeiterInnenklasse führt, was die
westliche ArbeiterInnenklasse zum Komplizen der Bourgeoisie macht, die dabei ist, die arme Welt zu erwürgen und was eine Kriegsstrategie der Bourgeoisie darstellt.
So wie die Westlichen Sozialistischen Kräfte nichts gegen die Spaltung der WeltarbeiterInnenklasse zum Vorteil der westlichen ArbeiterInnenklasse und
gegen den Verbot der freien Zirkulation
der Arbeitskraft der Armen dieser Erde auf
der Welt nichts unternehmen, ebenso bevorzugen
sie im Hinblick auf dieses Verbot die Position der
drei Affen, um die westlichen ArbeiterInnen,
die in diesem Thema sehr sensibel sind nicht zu verärgern. Und genau deswegen bevorzugen
sie es wiederum im Hinblick auf die Regelung
der Westlichen Sozialistischen Kräfte, daß
nämlich die Arbeit zunächst denen gegeben wird,
die zu den „Westlichen Nationen“ gehören,
was die ArbeiterInnenklasse zum Vorteil der westlichen ArbeiterInnenklasse spaltet, still zu
sein. Also zum Schluß haben die Westlichen Sozialistischen Kräfte durch den Verrat der
II. Internationale, die Vorgänger derSozialdemokratie, mit ihrem Aufruf vor 88 Jahren „Arbeiter aller Länder erwürgt euch gegenseitig!!!“ die historische Umarmung vollzogen, und somit wurde diese Sehnsucht wahr. Die Übersetzung dieser historischen Vereinigung ist die gleiche, wie vor 88 Jahren:
der Stärkere soll den Schwächeren erwürgen. Übersetzt lautet das: die Mehrheit der Armen
soll für die Interessen des stärkeren Westlers
erwürgt werden. Natürlich kann Mensch die westlichen ArbeiterInnen nur mit dieser
Denkweise, also der Verteidigung der Privilegien
der westlichen ArbeiterInnen, zufriedenstellen.
Und weil die Westlichen Sozialistischen Kräfte
die westliche ArbeiterInnenklasse zufriedenstellen möchten, sehen sie in ihrer Funktion eines Sponsors für die rückständigen und die WeltarbeiterInnenklasse spaltenden Privilegien keinen Vorbehalt. Lassen
wir das einmal alles beiseite; sie setzten sich nicht einmal für die Arbeiterinnen, die zu einem
geringeren Lohn eingestellt werden mit
der Forderung „Gleichen Lohn Für Gleiche Arbeit“
ein (wahrscheinlich aus Furcht die westlichen männliche Arbeiter zu verärgern!). Anstatt gegen diese Ungerechtigkeit zu kämpfen, bevorzugen
sie es diesen Sachverhalt nur ab und zu mit
einigen Worten zu erwähnen. Und die Westlichen Sozialistischen Kräfte schämen sich nicht einmal
trotz alledem auf ihre Fahnen, die ihren Gesichtern ähneln die Mottos „Es lebe die Einheit
der Arbeiter“ und „Gleicher Lohn Für Gleiche
Arbeit“ zu schreiben.

Was muß nun die Aufgabe der KommunistInnen
in solch einer Situation sein?


Solange mensch sich nicht einsetzt gegen
den „Sozialstaat“, der eine Kriegsstrategie
der Bourgeoisie ist, die die WeltarbeiterInnenklasse zum Vorteil der westlichen ArbeiterInnen spaltet
und damit die westlichen ArbeiterInnen gegenüber den armen ArbeiterInnen der restlichen Welt privilegiert, dessen Rechnung wiederum die Armen
der Welt zahlen müssen; solange sich mensch sich nicht einsetzt für die freie Zirkulation der Arbeitskraft; solange mensch sich nicht gegen
die bevorzugte Vergabe der Arbeit an die Westler stellt, solange sich mensch nicht gegen
die Verdrängung der Frauen vom Arbeitsmarkt
zurück an den Herd als „Lösung der Arbeitslosigkeit“ einsetzt, wenn also die Aufhebung der Spaltung
der ArbeiterInnenklasse im herrschenden Sinne
so nicht möglich ist – was dem so ist; solange
die Spaltung der ArbeiterInnenklasse existiert und deshalb eine gemeinsame Befreiung durch ein Zusammenkommen und einen gemeinsamen Kampf nicht möglich ist – was dem so ist; und weil
der Sozialismus keine Abhandlung vom Kampf einer privilegierten Gemeinschaft oder einer „Nation“
ist, sondern ein Kampf, der auf internationaler
Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit beruht - was dem auch so ist, müssen die KommunistInnen in erster Linie vor der existierenden Spaltung im herrschenden Sinne zweifellos nicht auf der Seite
der Privilegierten stehen, sondern auf der Seite
der Benachteiligten.
Eine andere Haltung würde eine Beteiligung an
der Ermordung derjenigen bedeuten, die dem 1. Mai durch ihr Leben Leben einhauchten. So eine Haltung
würde bedeuten, mit den Privilegierten
der herrschenden Spaltung an der gleichen
Front zu stehen. So eine Haltung würde in der heutigen Zeit, in der jede/ r seinem Feind ähnelt,
das Aufsetzten des Gesichtes des Feindes bedeuten.
Wir werden zu keinen Mittäter!!!
Wir werden das erneute Aufhängen derjenigen,
die dem 1. Mai durch ihr Leben Leben einhauchten nicht erlauben!!!


1 Mit dem in diesem Text genannten Begriff Westlichen Sozialistischen Kräfte sind die Verteidiger der Privilegien gemeint, die im Westen durch die Ausbeutung der Armen Mehrheit dieser Erde geschaffen wurde und schließlich diese Mehrheit dem Untergang überlassen wurde.

 

 

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