ÜBER DIE PRAKTISCHE UND
IDEOLOGISCHE FUNKTION
DER BILDUNG UNTER
DER HERRSCHAFT
DES KAPITALISMUS
Wie
jeder weiß, hat die Bildung in allen Gesellschaftsformen
eine Funktion. Aber wir versuchen im Rahmen dieser Schrift zu
zeigen, welche Funktion die Bildung in der Klassengesellschaft
des Kapitalismus im praktischen und ideologischen Bereich hat,
auf welche Weise sie die vorhandene soziale Ungleichheit zu legitimieren
versucht, wie die Bildung die Auffassungen über die Alternativlosigkeit
des Kapitalismus bzw. die Annahme, dass es das herrschende Ausbeutungssystem
geben muss, produziert und reproduziert und außerdem wie
sie die herrschende Kultur und ihr Menschentypus, der die Basis
dieser Gesellschaft bildet, prägt.
Über
die Bildung, die das unumgängliche
für die Fortsetzung der Herrschaft von
der Herrschenden Macht ist
Bildung
wird im weitesten Sinne als Erwerb von Wissen, Fähigkeiten
und Auffassungen, die für die Teilnahme der Menschen am gesellschaftlichen
Leben erforderlich sind, und als Prozess der Persönlichkeitsentwicklung
definiert. Wenn wir davon ausgehen, dass die Gesellschaft, in
der wir uns befinden, eine unter dem Kapitalismus organisierte
Klassengesellschaft ist, dann ziehen wir den Schluss, dass der
Erwerb von diesem Wissen, dieser Fähigkeit und Auffassungen,
und sogar die Persönlichkeitsentwicklung zwangsläufig
durch die in dieser Gesellschaftsform herrschenden Mächte
bestimmt werden, weil es dafür eine Voraussetzung darstellt,
dass die Herrschenden, damit sie weiter herrschen können,
ein entsprechendes gesellschaftliches Leben organisieren. Dies
bedeutet, dass diejenigen, die unter der Herrschaft der Herrschenden
leben, müssen in Richtung der durch die Herrschenden bestimmten
Zwecke gebildet werden. Sonst geriet Status quo, nämlich
ihre Herrschaft, in Gefahr. Neben der Funktion des Staates als
unmittelbarer Unterdrückungsapparat soll es auch die ideologischen
Grundlagen, die dafür sorgen, dass die Herrschaft der Herrschenden
gerechtfertigt wird, geben, weil die Herrschenden ohne ideologische
Grundlagen ihre Herrschaft nur mittels Staates, der unmittelbare
Unterdrückungsapparat ist, nicht so lange fortsetzen können.
Deshalb muss der Kapitalismus den Menschentypus, der seiner Herrschaft
passt, erschaffen. Je größer die Standardisierung der
Bedürfnisse und Mentalitäten der Menschen ist, umso
stabiler wird die Herrschaft des Kapitalismus.
Über
die institutionalisierte Bildung, die der Ausdruck eines besonderen
Bereiches ist
Die
Schulen und die Universitäten, die zu den Stufen der “Basiserziehung“,
die dem Menschen nach seiner Geburt durch die Familie und das
gesellschaftliche Umfeld vermittelt wird, hinzukommen, sind die
Kasernen, die den Normierungsprozess des Menschen systematisieren.
Die andere Bedeutung der Schulen für die Herrschenden liegt
darin, dass dort Menschen gemäß der Bedürfnisse
der Herrschenden gebildet werden. Also die Aufgabe der Schulen,
Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen ist in den
Sozialisationsprozess des Menschen bewusst gemäß der
Bedürfnisse der Herrschenden zu intervenieren und einen standardisierten
Menschen zu schaffen. Dieser Tatsache entsprechend wurde der passende
Mensch “geschaffen”: homo oeconomicus!!! Im Sonderbereich
der Bildung haben die Universitäten eine andere Beschaffenheit.
Der Grund, warum die Universitäten im Vergleich mit anderen
Bildungseinrichtungen eine besondere Rolle spielen, ist, dass
an den Universitäten die “Wissenschaft” und die
Ideologie, die gemäß ihrer Bedürfnisse, produziert
werden, damit die herrschende ungerechte Ordnung gerechtfertigt
werden kann. In diesen Kasernen wird alles angeblich an eine wissenschaftliche
Unparteilichkeit anlehnend den Menschen vermittelt, und auf diese
Weise werden die andauernde ungerechte Ordnung und die soziale
Ungleichheit legitimiert. In Wirklichkeit, weil unter der Herrschaft
des auf die Existenz einer herrschenden Klasse beruhenden Kapitalismus
eine Unparteilichkeit unmöglich ist, kann es von einer unparteilichen
“Wissenschaft”, die unter dem Dach der Institutionen
von diesem System getrieben wird, in keiner Weise gesprochen werden.
Im Grunde genommen ist die “Wissenschaft” von heute,
die ein Mittel zur Bestätigung der Ordnung der Herrschenden
ist, der Ausdruck einer Ideologie, nämlich der Parteilichkeit.
Nun
ja, wer sind die Produzenten dieser Wissenschaft und Ideologie,
und warum
tun sie das?
Diese
Ideologieproduzenten sind die Privilegierten, die in den Einrichtungen
der Herrschenden gebildet sind, und dementsprechend ihr Diplom,
das in der Tat ein Symbol ihrer Privilegien ist, erworben haben.
Diese Diplomierten sind Mitglieder einer Minderheit, die im System
der Herrschenden, in dem der durch die unmittelbaren Produktivkräfte,
die aus denjenigen bestehen, die, weil sie keine Chance für
Bildung haben und deswegen nicht zur Schule gehen können,
stattdessen zur Arbeit gehen müssen - sogar im Kindesalter
auf den manchen Regionen der Welt -, produzierte Mehrwert von
den Herrschenden beschlagnahmen wird, mit dieser Produktion finanzierend
privilegiert wird. Folglich hängt die Beibehaltung ihres
privilegierten Zustandes von der Fortsetzung des Status quo, nämlich
deshalb kann Mensch nicht erwarten, dass die Diplomierten bzw.
die Privilegierten unmittelbar der Macht, die die herrschende
Klasse vertritt, den Krieg erklären, weil diese Macht ohnehin
eine Garantie für ihre Privilegien ist. Kurz, die Diplomierten
machen sich die Rechtfertigung der andauernden Ungerechtigkeit
und Ungleichheit, aber nicht nur im wissenschaftlichen Bereich,
sondern auch in allen Bereichen des alltäglichen Lebens,
zur Aufgabe. Sogar manchmal widmen sie von den Lehrstühlen
an den Universitäten dieser Ungerechtigkeit und Ungleichheit
eine funktionale Aufgabe, indem sie sich hinter die Maske der
Unparteilichkeit und der Objektivität verstecken. Da ist
das wahre Gesicht des Märchens über “unparteiliche
Wissenschaft”. Dass die soziale Ungleichheit, also die Existenz
der Ausbeutenden und der Ausgebeuteten, für die Allgemeininteressen
der Menschheit da ist, kann genau von jener Mentalität behauptet
bzw. schweigsam bleibend bestätigt werden, die zwar über
die Produktionsmittel nicht verfügt, aber trotzdem wegen
ihrer privilegierten Position in der Gesellschaft ihren Anteil
von der Ausbeutung bekommt. Und auch abhängig davon sind
die Diplomierten Inhaber eines ökonomischen und gesellschaftlichen
Machtbereiches. Ihre Privilegien nehmen in dem Maße zu,
wie gut sie die Rechtfertigungsfunktion durchführen können.
Die Auffassung über die Überlegenheit der Kopfarbeit
gegenüber der Handarbeit verbreitet sich, von der Praxis
ausgehend, d.h. als Folge der Privilegien dieser Minderheit, weil
der Grund dafür ist, die Bestimmung des Bewusstseins durch
das Leben, nicht umgekehrt. Mit der Verbreitung dieser Gedanke
kommt eine elitäre Weltanschauung heraus, die nämlich
die Überlegenheit der Regierenden gegenüber der Regierten
bzw., dass die Menschheit immer die vollkommenen Herren braucht,
damit sie von ihnen regiert werden kann, besagt. Und diese Arbeit
wird mit dem Zusatz von einer “unparteilichenobjektiven”
Wissenschaftssoße erfolgreich beendet.
Über
das herumerzählte
“Kostenlose Bildung”-Märchen im Westen
Wie
schon jeder weiß, kann in einer kapitalistischen Wirtschaft
von etwas, das gar keine Kosten hat, keine Rede sein. Jede Ware
und jede Dienstleistung haben unbedingt Kosten, und um diese Kosten
bedecken zu können, muss eine Wert produzierende Arbeit da
sein. D.h. in einer solchen Ökonomie werden alle Ausgaben
durch die von allen Arbeitenden produzierten Werte gedeckt. Dies
ist sowohl auf lokaler Ebene als auch auf globaler Ebene die Tatsache,
weil der Kapitalismus ein internationales System ist. Der Zusammenhang
dieser Tatsache ist zusammenfassend wie folgt: Weil es unter der
Herrschaft des Kapitalismus etwas “kostenloses” nicht
geben kann, ist eine “kostenlose Bildung” auch unmöglich.
Unter der Herrschaft des Kapitalismus “kostenlose Bildung”
zu fordern, bedeutet in Wirklichkeit zu fordern, dass deren Preis
ein Anderer bezahlt. Nun ja, wer ist aber dieser Andere? Die Arbeitenden
bzw. diejenigen, die, weil sie keine Chance zur Schule zu gehen
haben, zur Arbeit gehen müssen; demgemäß die unmittelbaren
Produktivkräfte, nämlich eine große “unglückliche”
Mehrheit, die mit den durch ihre Arbeit produzierten Werten eine
kleine “glückliche” Minderheit finanziert. Aber
es bleibt auch nicht da und diese Minderheit erhebt sich am Ende
zur Autorität über diese “chancenlose” Mehrheit,
der sie ihre Karriere verdankt. Andererseits die Privilegien der
WestlerInnen, die von diesen Privilegien im breitesten Maße
profitieren, verursachen als dialektische Folge der Natur des
Kapitalismus in den armen Regionen der Welt große Benachteiligungen.
Als Beispiel dafür können wir die Bildungsausgaben nennen.
84 % der weltweiten Bildungsausgaben werden in den westlichen
Ländern gemacht, wo 19 % der Weltbevölkerung lebt, dagegen
die übrig gebliebenen 16 % der Ausgaben werden in der restlichen
armen Welt gemacht, wo 81 % der Weltbevölkerung lebt. Oder:
Die Anzahl der Schulebesuchenden in einem westeuropäischen
Land beträgt 90 % der Bevölkerung. Diese Anzahl liegt
in einem afrikanischen Land bei etwa 20 %. Dies zu behaupten,
dass die “kostenlose Bildung” ein Recht ist, bedeutet
das herrschende Ausbeutungssystem noch einmal zu bestätigen,
weil niemand Recht dazu hat, ein privilegiertes Leben auf Kosten
Anderer zu gründen.
Was
sollte die kommunistische Haltung angesichts dieser Situation
sein?
Die
KommunistenInnen müssen angesichts des herrschenden Bildungssystems,
das den Grundstein der Versklavung des Menschen bildet, und der
Forderung nach “kostenloser” bzw. “guter”
Bildung, die keinerlei die Funktion dieses Bildungssystems hinterfragt,
indem sie das ganze Zähmungssystem und das Erziehen des Menschen
von jemandem für jemanden total ablehnen, für eine Gesellschaft
des Wissens, der Wissenschaft und der freien Individuen kämpfen,
in der jeder sich nach seinem Wunsch in jedem Bereich, indem er
erleben, probieren und sich irren kann, bilden wird; in der jeder
zur Wissenschaft und zum Wissen gelangen und davon Gebrauch machen
kann; von der Philosophie bis zur Kunst, von der Literatur bis
zur Mathematik in den allen “intellektuellen“ Gebieten,
die Berufe oder Privilegien nicht bedingen, welche gegen andere
ausgespielt werden können, sondern einen Teil des täglichen
Lebens bilden. Und dies kann nur durch die Abschaffung des Kapitalismus
möglich sein. Eins darf aber niemals vergessen werden: Die
KommunistenInnen sind dazu verpflichtet, unabhängig von den
Umständen, in den sie sich befinden, falls sie sich als Kommunist/
In nennen würden, immer und überall das Revolutionäre
zu verteidigen. Wenn wir diesen Standpunkt ins gegenwärtige
Leben übersetzen, dann stellen wir noch einmal, auch bei
diesem Thema fest, dass die westlichen Linken verraten. Indem
die westlichen Linkskräfte die Forderungen nach “kostenloser
Bildung”, obwohl sie ihre wahre Bedeutung kennen, unterstützen,
sind sie wieder der Verteidiger der Privilegien der Privilegierten
geworden. Und diese Haltung kann auf keinen Fall mit der revolutionären
Haltung im Einklang sein. Die revolutionäre Haltung beinhaltet
auf keiner Weise die “Nachtrabpolitik”, die unter
dem Vorwand Anhänger zu gewinnen, gemacht wird, jedes Mal,
wenn die Massen sich der Macht gegenüber stehen. Die KommunistenInnen,
die die Aufgabe haben, die Massen auf dem Weg nach Kommunismus
zu führen, müssen in den andauernden Prozess intervenieren,
indem sie wissen, was die schildernden Forderungen der Massen
für die Allgemeininteressen der Unterdrückten der ganzen
Welt bedeuten. Sonst können die KommunistenInnen weder ihrem
Ziel, eine Welt ohne Privilegien und Diskriminierungen zu gründen,
treu bleiben, noch sich davon retten, Teilhaber der Spaltungsstrategie
des Kapitalismus gegen die Unterdrückten der Welt und ihrer
Folgen zu sein.