LEHREN, DIE AUS DER ERWÜRGTEN
DEUTSCHEN REVOLUTION VON 1918
GEZOGEN WERDEN SOLLEN
Vor
85 Jahren wurde Deutschland durch die revolutionäre Welle
erschüttert. Diese revolutionäre Welle, die zwar als
die deutsche Revolution oder auch als der spartakistische Aufstand
in die Geschichte eingegangen ist, hatte eigentlich die Bedeutung
und den Charakter das Schicksal der Weltrevolution, demgemäß
auch der Bourgeoisie, zu bestimmen. Aus diesem Grund sagte auch
Lenin im Januar 1918: „Wenn es in Deutschland keine Revolution
stattfinden würde, dann würde dies auch unser Todesurteil
sein.“ Das Erwartete ist nicht passiert und die deutsche
Revolution wurde besiegt. Und die Besiegte war nicht nur die deutsche
Revolution, sondern auch die Weltrevolution. Und die Sieger waren
nicht nur die deutsche Bourgeoisie, sondern auch die internationale
Bourgeoisie. Kurz, die Schlacht, die in Deutschland war sowohl
aus der Sicht der internationalen Bourgeoisie als auch aus der
Sicht des internationalen Proletariats, eine Schicksalsschlacht.
Der Sieger war leider die internationale Bourgeoisie. Aber der
Krieg geht weiter. Und die Niederlage in der Geschichte in einen
Sieg um zu wandeln, ist nur dann möglich, wenn die Lehren
(Revolutionärerweise) im revolutionären Sinne aus der
Vergangenheit gezogen werden. Was wir jedoch mit „Lehren
ziehen“ meinen, ist nicht den Verrat der Sozialdemokratie
darzulegen, die Rechnung auf ihn zu stellen und mit der Sache
fertig zu werden, weil die Sozialdemokratie gemäß ihrem
Wesen gehandelt hat, und dies auch der von den spartakistischen
Vorkämpfern erwartete Zustand war. Daher, woraus die revolutionäre
Bewegung Lehren ziehen und was sie überwinden sollte, sind
nicht die Auffassung und die Praxis der Sozialdemokratie, sondern
die Auffassung und die Praxis der Spartakisten. Einige könnten
auch diese Fragen stellen: „Nun, falls die Spartakisten
die Sache und ihren Verlauf richtig erfasst und dementsprechend
richtig gehandelt hätten, hätte sich das Schicksal der
deutschen Revolution und folglich der Weltrevolution ändern
können? Waren nicht der Verrat der Sozialdemokratie und ihr
starker Einfluss über die deutsche ArbeiterInnenklasse der
Grund der Niederlage gewesen? Dies ist ganz und gar spekulativ
und demgemäss werden auch die Antworten zu diesen Fragen
spekulativ sein. Jedoch können wir nur so viel sagen, nämlich
in dem zaristischen Russland hatten die Sozialrevolutionären,
die Menschewiken und die Anarchisten auch ähnlich starken
Einfluss über die ArbeiterInnenklasse und über die arme
Bauernschaft gehabt. Aber trotz dieses und trotz der aktiven Widersetzung
dieser Kräfte haben die Bolschewiken dennoch die siegreiche
Oktoberrevolution verwirklicht.
Deshalb, was heute die revolutionäre Bewegung machen sollte,
ist nicht diesen spekulativen Diskussionen zu führen und
hinter den Verrat der Sozialdemokratie zu verstecken, sondern
von der bolschewistischen Grundlage aus die Fehler der Spartakisten
zu verstehen und sie zu überwinden. Sonst werden die Würger
der Revolution von 1918 weiter herrschen.
DER
ANFANG VOM ENDE WAR DAS FRIEDENSVERHALTEN DER SPARTAKISTISCHEN
FÜHRUNG GEGENÜBER DEM OFFENEN TOTALEN IMPERIALISTISCHEN
KRIEG
Obwohl
die spartakistische Führung sich der chauvinistischen, vaterlandsverteidigenden
Haltung der II. Internationale gegenüber dem Offenen Totalen
Imperialistischen Krieg heftig widersetzt hat, hat sie dennoch
statt des revolutionären Klassenkampfes gegen den Offenen
Totalen Imperialistischen Krieg ein Friedensverhalten unter dem
Motto „Frieden gegen den Krieg“ angenommen. Diese
Haltung, die keine kommunistische ist, kommt in erster Stelle
der Ursachen, die zur Niederlage der Revolution in Deutschland
und traurigerweise zur Ermordung der spartakistischen VorkämpferInnen
geführt haben. Wenn die Spartakisten bei der Konferenz in
Zimmerwald als die Haltung der Minderheit hervorgetretene Haltung
von Lenin, nämlich „Revolutionärer Krieg gegen
den imperialistischen Krieg“, angenommen, und nicht stattdessen
die Masse, um den Offenen Totalen Imperialistischen Krieg zu stoppen,
sondern für einen Gegenkrieg zu organisieren, mobilisiert
und in dieser Hinsicht gehandelt und ihren Willen gezeigt hätten,
dann wäre das auch in Deutschland geschafft worden, was die
Bolschewiken im Jahre 1917 in Russland geschafft hatten. Dies
ist jedoch nicht geschehen. Während die Bolschewiken mit
dem Willen einen Gegenkrieg organisierten, kämpften die Spartekisten
für den Frieden. Erst dann als die Dialektik des Lebens ihnen
das Dilemma, entweder sich zu ergeben oder Widerstand zu leisten,
drängte, und die Konterrevolution mit dem totalen Angriff
begann, errichteten die Spartakisten die Barrikaden. Es war jedoch
zu spät und die Niederlage war unvermeidlich.
Ebenso wie die Geschichte, welche im Jahre 1915 als eine Minderheitshaltung
dargelegte und verdammte Haltung Lenins mit der Oktoberrevolution
gekrönt hat, hat die gleiche Geschichte auch diejenigen,
die den Frieden gegen den Offenen Totalen Imperialistischen Krieg
verteidigt haben, verurteilt. Die im Oktober 1917 durch die Geschichte
selbst endgültig entschiedene Sache über den Krieg und
die revolutionäre Haltung wird heute wieder hervorgeholt.
Dies ist nichts anderes als die Bemühung, das Urteil der
Geschichte zu leugnen. Gerade diese Haltung bedeutet die erneute
Ermordung der revolutionären VorkämpferInnen, denn die
spartakistischen VorkämpferInnen, obwohl es zu spät
war und die Selbstkritik als Folge des derartigen Drängens
des Feindes, „entweder sich zu ergeben oder getötet
zu werden“ gemacht wurde, machten die Selbstkritik ihres
Fehlers, indem sie heldenhaft Widerstand geleistet und den Tod
ihr Haupt aufrecht haltend die Stirn geboten haben.
Heute ist die Verteidigung der Sache, die die Spartakisten vertraten,
und das, was sie nicht zu Ende bringen konnten zu vervollständigen,
nur möglich, indem die Barrikaden, die sie nicht mit Willen
errichtet haben, als das Unumgängliche des Klassenkampfes
betrachtet und von heute beginnend mit Willen aufgebaut werden.
Also, genau das tun, was die Bolschewiken in Russland getan haben.
DAS
UNVERMEIDLICHE ENDE, DAS ALS FOLGE
DES NICHT RECHTZEITIGEN ERKENNENS DER LEBENSNOTWENDIGKEIT EINER
REVOLUTIONÄREN PARTEI DURCH DIE SPARTAKISTISCHE FÜHRUNG
ENTSTANDEN IST
„In
dieser Beziehung waren Lenin, Trotzki und ihre Freunde die ersten,
die dem Weltproletariat mit dem Beispiel vorangegangen sind. Bis
jetzt sind sie immer noch die einzigen, die laut schreien können:
`Ich hab´s gewagt!´
dies ist das Wesentliche und Beständige in der Politik der
Bolschewiken. In diesem Sinne …
In Russland konnte das Problem nur dargelegt werden. Es konnte
aber nicht in Russland gelöst werden. In diesem Zusammenhang
gehört die Zukunft überall dem Bolschewismus.“
Es wäre möglich gewesen, wenn Rosa Luxemburg, der höher
fliegende Adler der internationalen Revolution, die diese Lobrede
gehalten hat, rechtzeitig erkannt hätte, dass dieser Erfolg
von Lenin, Trotzki und ihren Freunden nicht zufällig, sondern
eine Folge der geplanten Tätigkeit von ihnen war, die Flamme,
die in Russland entfacht wurde, nach Deutschland und von dort
aus auf die ganze Welt zu tragen (zu verbreiten).
Die spartakistischen VorkämpferInnen wollten die Lebensnotwendigkeit
einer revolutionären Partei trotz der Warnungen Lenins, nicht
wahrhaben. Bis 1918, als die Revolution an die Tür klopfte...
Erst dann suchten die spartakistischen VorkämpferInnen nach
einer revolutionären Partei, die es aber nicht gab. R. Luxemburg
und die anderen spartakistischen VorkämpferInnen haben, während
sie in der SPD waren, früh erkennen können, dass die
Parteiführung, die die II. Internationale beeinflusste, in
eine konterrevolutionäre Politik mündete. Jedoch weigerten
sie sich bis zur letzten Minute eine selbständige revolutionäre
Partei zu gründen, und stellten sie sich auch noch entschlossen
gegen die vorhandenen Haltungen. Hätte ihre Weitsicht in
Folge dessen zu einer organisatorischen Spaltung und die organisatorische
Spaltung zu einer fest strukturierten leninistischen Partei geführt,
hätten sie die revolutionäre Rolle wie die bolschewistische
Partei im Oktober 1917 in Russland spielen können. Vor allem,
eine erfolgreiche Revolution in Deutschland hätte die Lokomotive
für die Weltrevolution werden können. Aber dies ist
nicht geschehen... Dies ist nicht geschehen, weil sie besiegt
waren... Besiegt, weil es keine Partei gab, die eine Revolution
verwirklichen konnte. Als die unumgängliche Notwendigkeit
einer revolutionären Partei ihnen bewusst wurde und sie sich
von den konterrevolutionären Parteien und auch von den zentralistischen
Parteien, die zwischen der Konterrevolution und der Revolutionsfront
standen, trennten, war es schon zu spät um eine revolutionäre
Partei zu errichten. Weil sie ihre Fehler zu spät eingesehen
hatten, konnten sie nichts mehr ändern, auch wenn sie mehr
als das Erdenkbare getan haben, um die Versäumnisse nachzuholen.
Indem sie wegen dieser Verspätung einen sehr hohen Preis
gezahlt haben, haben sie ihren NachfolgernInnen unumgängliche
Erfahrungen hinterlassen.
Es hätte alles anders werden können, und wir hätten
heute, dass was R. Luxemburg für die Bolschewiken vor 85
Jahren sagte, so vervollständigt:
„Ja, die Bolschewiken waren es, die dem Weltproletariat
den Weg freigemacht und so geschrieen haben: `Ich hab’s
gewagt!´. Aber die Spartakisten waren es, die die in Russland
entfachte revolutionäre Flamme nach Deutschland getragen
haben. Und dadurch wurde die Weltrevolution verwirklicht. Demgemäß
ist das, was die Spartakisten in Deutschland getan haben, das
gleiche, was die Bolschewiken in Russland getan haben.
Aber es ist nicht der Fall geworden und weder die Spartakisten
konnten tun, was die Bolschewiken in Russland getan hatten, noch
wir konnten es vervollständigen, was R. Luxemburg über
die Bolschewiken vor 85 Jahren gesagt hatte.
Nun, das Problem, das in Russland nur dargelegt werden konnte,
wartet auf seine Lösung auf der internationalen Ebene. Ebenso
wartet auch das, was R. Luxemburg vor 85 Jahren sagte, auf seine
Vervollständigung.
ÜBER
DIE „SOZIALISTISCHE“ BEWEGUNG, DIE, ANSTATT VON DER
NIEDERLAGE VON 1918 DIE NOTWENDIGE LEHRE ZU ZIEHEN, DEM WÜRGER
DER REVOLUTION ÄHNELT
Die
heutige „sozialistische“ Bewegung ist trotz der vergangenen
85Jahre nicht in der Lage, aus den Erfahrungen, die die spartakistischen
VorkämpferInnen gemacht haben, und dafür einen hohen
Preis zahlen mussten, die notwendige Lehre zu ziehen oder gar
sich darum zu bemühen.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung richtet sich,
statt sich von der Sozialdemokratie und den anderen zentralistischen
Bewegungen zu trennen, welcher der unumgängliche erste Schritt
der revolutionären Partei wäre, auf eine Richtung, die
eine linke Version der Sozialdemokratie zu werden bedeutet.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung hat weder ein
revolutionäres Programm noch eine revolutionäre Politik
und eine revolutionäre Organisation oder eine revolutionäre
Organisationsansicht.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung neigt dazu,
aufgrund der Marginalisierungs- und Auflösungsbefürchtungen,
sich mit der Sozialdemokratie und den zentralistischen Bewegungen
zusammenzuschließen.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung verlangt Frieden
unter der Herrschaft des Kapitalismus, statt den weltweiten revolutionären
Krieg zu organisieren, um den Kapitalismus zu vernichten, der
für die Armen permanenten Krieg bedeutet.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung organisiert
mit dem deutschen Staat die Demonstrationen „gegen die Ausländerfeindlichkeit“,
wobei der deutsche Staat Selbstorganisator der Feindlichkeiten
der Privilegierten gegen die Menschen, die aus den armen Ländern
kommen, ist. Durch diese Mitwirkung schließt sich die „sozialistische“
Bewegung der Geheimhaltung des deutschen Staates an, die die „deutsche
Nation“ zum Komplizen mit der Feindlichkeit gegenüber
Menschen aus armen Ländern macht. Statt selbst auf dem Verbrecherstuhl
zu sitzen, setzt der deutsche Staat Unbekannte oder sogar selbst
gezüchtete Nazis auf diesen.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung verteidigt lauthals
die Vertuschungsaktion des deutschen Staates, in dem sie den jüdischen
ZwangsarbeiterInnen ein bestimmtes Blut-Geld bezahlen. Somit unterstützt
die heutige „sozialistische“ Bewegung durch ihre Verteidigung
den deutschen Staat in seiner Aktion, die Beziehung zwischen der
Nazi-Zeit und der heutigen Zeit zu verbergen, obwohl der deutsche
Staat das Erbe der Nazi-Zeit ist, bezeichnet er diese Ereignisse
noch immer als „Unglück“.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung ähnelt
dem deutschen Staat und der „deutschen Nation“, während
sie in einer deutschen Komödie unter dem Namen „Toleranz“
ihre Rolle spielt.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung setzt sich für
die Kriegsstrategie „Sozialstaat“, dessen Architekt
die Sozialdemokratie war, ein, um den „Sozialstaat“,
der als Alternative zur Weltrevolution hervorgebracht wurde, der
durch die weltweite Ausbeutung finanziert wird, der die westliche
ArbeiterInnenklasse in das System integriert und der die Spaltung
der weltweiten ArbeiterInnenklasse fördert, zu verteidigen.
Kurz, die „sozialistische“ Bewegung ist heute ein
aktiver Verteidiger des Programms der Sozialdemokratie, also der
Würger der Revolution von 1918, geworden. Dieser Zustand
bedeutet aus der Sicht der Würger der Revolution von 1918,
nämlich der Sozialdemokratie, ein Sieg und aus der Sicht
der revolutionären Bewegung eine richtige Tragödie.
Der einzige Weg diese Tragödie zu beenden, führt zum
Schicksal der verdammten revolutionären Minderheit unter
der Führung von Lenin zu verfallen, wobei damals im Jahre
1914 die chauvinistische, vaterlandsverteidigende Haltung einen
raschen Anklang fand, nämlich das Verdammte von heute zu
sein, weil das, was die Bolschewiken in der Oktoberrevolution
von 1917 erfolgreich machte, hauptsächlich war, dass sie
den Mut hatten die Verdammten zu werden.