WO MÜSSEN DIE KOMMUNISTINNEN GEGEN DIE HEUTE HERRSCHENDE LEBENSFORM STEHEN UND WIE MÜSSEN SIE SEIN?

Der Kapitalismus, der auf einer Gesamtheit von Ungerechtigkeiten basiert; besteht mit anderen Worten aus der Spaltung der Menschheit im herrschenden Sinne, also ihrer Spaltung zwischen oben und unten. Diese kann nur durch den Kampf von unten nach oben, im revolutionären Sinne spaltend und wieder zusammenschließend, abgeschafft werden. Die Spaltungen im herrschenden Sinne sind die zwischen Frauen und Männer, Homosexuellen und Heterosexuellen, unterdrückenden “Nationen“ und unterdrückten “Nationen“, unterdrückenden Klassen und unterdrückten Klassen, “einheimischen“ ArbeiterInnen und immigrierten ArbeiterInnen usw. Die herrschenden Kräfte innerhalb dieser Gruppen erhalten ihre Privilegien und die Bedingungen, die dazu führten, durch die Unterdrückung ihrer Gegner aufrecht. Während die unterdrückende Klasse, also die Bourgeoisie, sich politisch als Staat organisiert, geht sie mit anderen privilegierten gesellschaftlichen Kräften ein Bündnis ein und setzt auf die gesellschaftlichen Widersprüche. Die übrigen unterdrückten gesellschaftlichen Kräfte führen diese Kollaboration nicht weil sie reingelegt wurden, sondern weil es ihren momentanen und historischen Interessen entspricht. Selbstverständlich ist das Bündnis dieser Kräfte nicht von langer Dauer, denn es existiert auch innerhalb dieser Kräfte keine Dauerhaftigkeit. Zum Beispiel bilden die Männer gegen Frauen eine Einheit; z.B. sobald sie sich in ihren Verhältnissen als Arbeiter und Unternehmer gegenüberstehen existiert eine Kollision auch unter den Männern. Ähnlich ist das Verhältnis zwischen der unterdrückenden “Nation“ und der unterdrückten “Nation“; während die unterdrückende “Nation“ gegen die unterdrückte “Nation“ eine Einheit bildet, ist sie in sich keine Einheit, denn sie besteht aus den vielfältigsten Widersprüchen. Einer der Gegensätze in der Gesellschaft drängt sich permanent aufgrund seiner historischen, gesellschaftlichen oder klassenspezifischen Position und Forderung in den Vordergrund und fängt an, die Spaltungen, Polarisierungen und Gegensätze in der Gesellschaft zu bestimmen. Entsprechend eines momentanen Interesses kann die rückständigste Kategorie mit der historisch revolutionärsten Kategorie oder Klasse an der gleichen Front nebeneinander stehen - wie am Beispiel des Nebeneinanderstehens von der Bourgeoisie und der ArbeiterInnenklasse der unterdrückenden “Nation“ gegenüber der unterdrückten “Nation“. In einer solchen Situation ist es nicht unsere Aufgabe die Tatsachen zu verschleiern und das im historischen Sinne Revolutionäre davon abzubringen, seinem Feind ähnlich zu sein. Wenn aber eine “unbewusste“ Schuldhaftigkeit vorhanden ist, müssen wir dafür kämpfen, die zum Instrument dieser Schuld gemachten aufzuklären und Partei für die unterdrückte und sich historisch im Recht befindende Gruppe zu ergreifen; und wenn es sein muss gegen unsere historischen Verbündeten zu kämpfen. Im Leben, in dem sich alles bewegt und sich alles verändert, sind die Gegensätze miteinander verflochten, jedoch im ständigen Kampf miteinander. Das unveränderliche revolutionäre Gesetz ist, die revolutionäre Dynamik zu erkennen und auf ihrer Seite zustehen. Heute stehen wir Zuständen gegenüber, wo z.B. die türkischen ArbeiterInnen auf der Seite ihrer eigenen Bourgeoisie stehen und sich im Krieg gegen die kurdische nationale Befreiung stellen; die ArbeiterInnen in der Schweiz in einem Referendum für einen freien Waffenhandel stimmen um den eigenen Wohlstand zu wahren, obwohl sie wissen, dass mit den verkauften Waffen Mensch und Natur vernichtet werden; der Forderung nach Trennung, um den Reichtum, der sich im Norden angehäuft hat, nicht teilen zu müssen wie z.B. zwischen Nord- und Süditalien, Nord- und Südmexiko. Angesichts einer solchen Situation könnte von einer irregeleiteten, manipulierten ArbeiterInnenklasse geredet werden. Doch eine solche Herangehensweise würde bezüglich des Verstehens und Eingreifens in die Situation nichts aussagen. Letztendlich ist das Handeln der Menschen durch ihre momentanen Bedürfnisse und ihr momentanes Bewusstsein bestimmt. Die Menschen handeln in dem Moment nach den Erfordernissen ihrer Bedürfnisse und ihrem Bewusstsein. Das Bewusstsein der Menschen verändert sich mit den Veränderungen der Bedürfnisse und die Bedürfnisse verändern sich mit den Veränderungen des Bewusstseins. Entsprechend dieser Wechselwirkungen agieren die Menschen entweder revolutionär oder konterrevolutionär. Aus genau diesem Grunde bildet die westliche ArbeiterInnenklasse mit ihrer Bourgeoisie, also ihrem historischem Feind, eine “Schicksalsgemeinschaft“. Als Gegenargument könnte nun der Kampf der deutschen ArbeiterInnenklasse gegen das “Sparpaket“ bzw. der Generalstreik der französischen ArbeiterInnenklasse 1995 genannt werden. Wenn wir die Welt aus der Perspektive der privilegierten Weißen betrachten, können wir von einem Kampf der westlichen ArbeiterInnenklasse sprechen. Betrachten wir die Welt aus der Perspektive der Schwarzen, sind jedoch diese Kämpfe, ihren Forderungen und ihrem Charakter nach, gegen die allgemeinen Interessen der ArbeiterInnenklasse gerichtet. Es sind Kämpfe der Weißen(1) ArbeiterInnenklasse, um ihre kurzsichtigen materiellen sonder Interessen zu sichern. Der Grund für den heutigen Kampf der westlichen ArbeiterInnenklasse gegen die Bourgeoisie ist die einseitige Kündigung des bislang vorhandenen “Friedens“ oder der “Partnerschaft“ durch die internationale Bourgeoisie. Die westliche ArbeiterInnenklasse will mit ihrem Kampf diesen “Frieden“ wiedererrichten. Sie möchten ihren Anteil an der internationalen Ausbeutung als Schweigegeld wiederhaben, und damit die jahrzehntelange Komplizenschaft mit ihrer Bourgeoisie weiterführen. Vergleichen wir die Bewegung der Einheimischen von Mexiko, ihre Forderungen und ihre historische Rolle, die sie wahrgenommen haben, mit dem Kampf der westlichen ArbeiterInnenklasse, wird deutlich, dass die Einheimischen von Mexiko wesentlich revolutionärer sind. Während die westliche ArbeiterInnenklasse dafür kämpft ihren Wohlstand aufgrund der internationalen Ausbeutung aufrechtzuerhalten, verkörpern die indigenen Einheimischen von Mexiko den Kampf gegen die ausbeuterische Weltordnung und gegen seine neue Kriegsstrategie NAFTA. Die eine Bewegung setzt sich für den Erhalt einer bestehenden, ausbeuterischen Weltordnung ein, während die anderen einen unerbittlichen Kampf eben gegen die bestehende Weltordnung führen. Die herrschenden Verhältnisse sind gekennzeichnet durch Konflikte, Durcheinander, Konfrontation und Spaltung; gegen diese Lebensbedingungen ist die Aufgabe der KommunistInnen, die Berechtigung derer zu betonen und jene zu verteidigen, die in diesem Augenblick ein Kampfpotential darstellen, und die deswegen gegen das Bestehende kämpfen müssen, und an ihren berechtigten Kämpfen teilzunehmen, denn die KommunistInnen müssen mit diesen Kämpfen eine Verbindung zu einer allgemeinen Bewegung für die gemeinsame Befreiung der unterdrückten Menschheit schaffen. Die herrschende Lebensform und Geschichte entstand als Resultat einer Vielzahl von Kämpfen bzw. wurde durch sie geschaffen. Um sie zu ändern, müssen die KommunistInnen zweifelsfrei folgendes akzeptieren: um das Existierende zu zerschlagen und an seiner Stelle ein neues Leben zu organisieren, ist es notwendig, eine Vielzahl von Kämpfen zu führen. Die Menschheit ist durch ständige Spaltung zu der geworden, die sie heute ist; versklavt und einander versklavend. Der Zusammenschluss der Menschheit als freie Individuen erfordert ihre erneute Spaltung, und letztendliche Verbindung. Bis zu diesem Zeitpunkt haben die Herrscher diese Welt gespalten. Sie versklavten, indem sie spalteten. Die KommunistInnen, die heute gegen das Sklavensystem kämpfen, müssen gegen die herrschende Spaltung die erneute Spaltung propagieren, aber dieses Mal um frei zu werden und um als freie Individuen sich zusammenzuschließen. Der Weg geht dahin, die Glieder der Kette, voneinander zu trennen, und bei dieser Trennung ist das revolutionärste Glied das schwächste der Kette. Diese Glieder sind die “les sans culottes“ dieser Erde, die nichts zu verlieren haben, die erniedrigt werden; der Platz der KommunistInnen muß an der rebellischen Seite der Menschheit sein.


1 Der Begriff “Weiße“, wie er in diesem Text benutzt wird, deutet nicht Hautfarbe an, sondern ist ein politischer Begriff für die Privilegierten dieser Erde.


 

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