Die Welt mit den Augen
der Kolonisatoren betrachten

Wenn der Westen die Welt erobert hat, ist dies nicht durch die Überlegenheit ihrer Kultur, Religion oder Werte geschehen, sondern durch ihre Überlegenheit Gewalt zu organisieren. Dieses ist die vom Westen öfters vergessene und die für den Rest der Welt unerklärliche Realität.
Samuel P. Huntington

Am 12. Oktober 1492 hat Christoph Columbus amerikanischen Boden betreten. Am 3. Mai 1493 hat Paps VI. Alexandre das folgende Urteil deklariert: “Die Welten, die entdeckt werden und entdeckt sind, sollen zwischen Spanien und Portugal verteilt werden, die Religion und der katholische Glaube müssen gepriesen und verbreitet werden. Die barbarischen Völker müssen unterjocht und christianisiert werden “ Dieses Ziel wurde binnen kurzer Zeit in die Tat umgesetzt. Als Columbus die amerikanischen Inseln betrat, lag die Bevölkerungszahl des Kontinents bei ca. 80 Millionen Ureinwohnern. Mitte des 16. Jahrhunderts (ca. 60 Jahre später) hatte sich diese Population Amerikas auf 10 Millionen reduziert. Die 'westlichen' Christen hatten es geschafft in einem halben Jahrhundert an die 70 Millionen Menschen 'ins christliche Paradies' zu schicken... Wenn man bedenkt, dass die Weltpopulation Anfang des XVI. Jahrhunderts ungefähr 400 Millionen zählte, ist dies 'ein ziemlicher Erfolg' innerhalb eines Zeitraum eines halben Jahrhunderts 70 Millionen Menschen zu vernichten. Diesbezügliche "Erfolge" hat der Westen seither auch fortgesetzt... Das Abenteuer der westlichen Welt hat zwar im Ausgehenden XV. Jahrhundert seine Anfänge gefunden, wird aber seit jenen Jahren auf gleicher Linie weiterverfolgt. Auch wenn sich die Rhetorik verändert hat, ist die westliche Mission die gleiche geblieben. Der Zweck war immer der Selbe: Die unzivilisierten Wilden zu christianisieren, zu entwickeln, zu modernisieren, zu integrieren, zu globalisieren und ihre eigene 'überlegene' Zivilisation zu demonstrieren; also nach ihren eigenen Vorstellungen zu konstruieren.
Eigentlich waren die Taten des westlich-christlichen zivilisierten weißen Mannes seit 500 Jahren nichts anderes als ein Verbrechen an der Menschheit zu begehen.
Da der weiße Mann die Maßstäbe für gute oder schlechte Tat setzt und über Verbrechen und Wohltaten entscheidet, war es nicht möglich die Geschehnisse angemessen zu bewerten. Mit der Zeit haben die versklavten, kolonialisierten, unterworfenen, ihrer Geschichte, Kultur und Identität zerstörten und Gedächtniseliminierten Völker angefangen mit den Augen des Kolonialherren zu sehen und diese als die ihrige Weltanschauung zu übernehmen. Somit schaffte die westliche Hegemonie sich ein starkes Fundament und erlangte einen großen Sieg. Die Kolonisierung wurde verinnerlicht. Somit war die eigentliche Ausbeutung die geistige Ausbeute. Mit anderen Worten ist die eigentliche Kolonisierung durch die Entfremdung des Menschen zu seiner eigenen Wirklichkeit und zu seiner eigenen Gesellschaft und damit sich selbst erfolgt.
Zur Verinnerlichung der Kolonisierung bedurfte es, wie im Werk von Franz Fanon in "weißer Neger" und bei Ali Serati im Werk "assimilierte Primaten" bezeichneten, einheimischer Missionare und Bevölkerungselemente.
Eigentlich ist die Ausbeutung des Geistes nur unter der 'freiwilligen Akzeptanz' möglich. Hätte es keine einheimischen aufgeklärten Kollaborateure gegeben, so hätte sich die Kolonisierung nicht verbreiten und der Imperialismus nicht siegen können.
Gebildete Gruppen der Dritten Welt, oder höfflicher formuliert Gruppen in Ländern des Südens (die zudem noch als Gebildete bezeichnet werden) führen ihre Funktion als einheimische Missionare weiter. Bereits von Anfang an war der westlich-christliche weiße Mann dazu geneigt die Unterschiede in Oben- und Unterstehend zu kategorisieren. Laut ihnen waren die 'Anderen', nicht verschieden sondern untergeordnet. Hiervon ausgehend haben sie ein Motto geschaffen, das lautet: Wer zu den Untergeordneten gehört soll vernichtet werden…
Bei der Rede von einem Problem, das die sozialen Theorien, sozialen Gedanken oder die Sozialwissenschaften betreffend, ist der Zustand und der Standpunkt der betrachtenden Person, folglich seine Perspektive von kritischer Bedeutung. So wurde beispielsweise die "Entdeckung Amerikas" deklariert mit der Folge, dass die Menschheit dieses seit Jahrhunderten glaubt. Als Columbus die karibischen Inseln erreichte, lebten in Mittel-, Nord- und Südamerika 80 Millionen Menschen. Diese Menschengemeinschaften waren Erschaffer von nicht zu unterschätzbaren Hochkulturen. Wird die Welt aus Europa betrachtet, also Europa als Mittelpunkt genommen, entsteht ein andere Sicht, als wenn die Welt andernorts betrachtet wird: es entstehen andere Bilder. Wäre das Gegenteil erfolgt, also Europa von den Amerikanern entdeckt worden, wäre Europa dann als Entdeckung Amerikas gepriesen worden?
Wird das Wort des Mächtigen zur Regel, ist der Horizont des Gegenüberstehenden identisch mit dem des Herrschenden. Ideologisch verkümmerte Menschen, Individuen, soziale Klassen, Gemeinschaften oder Nationen sind von nun an unfähig vor sich zu sehen und ihren Weg zu finden. Denn ihre Vorstellung wird okkupiert.
Es ist bedauernswert, dass die imperialistisch fokussierten ideologischen Annahmen so präsentiert werden, als seien sie unbestreitbare wissenschaftliche Wahrheiten, die jeder Zeit und an jedem Ort ihre Gültigkeit haben. Dies wird auch von "Gebildeten" und "wissenschaftlichen Sachkundigern" der Dritten Welt, dessen Gehirne vereinnahmt sind, als unbestreitbare Wahrheit akzeptiert. Jedoch ist so eine soziale Theorie, in einer solchen Welt, nicht für Jeden überall und immer möglich. Es ist eine ideologische Betrachtung Europa und den Europäer als Mittelpunkt der Welt zu betrachten und ihm sämtliche Guten, Schönen und Positiven, logisch nachvollziehbaren Dinge als sein eigenes Schaffen und nach seiner eigenen Vorstellung zu konzipieren. Die Nichtzugehörigen "Anderen", besitzen all diese natürlichen Veranlagungen und Fähigkeiten nicht, sie sind nicht fähig Positives zu produzieren und hinsichtlich einer gesellschaftlichen Zivilisationsgründung behinderte Menschen. Wie konnte dann bewiesen werden, dass zwischen ihnen (den Europäern) und den anderen eine solche Wertehierarchie besteht. Dies ist die historische Mission der eurozentristisch erdichteten Ideologie: Den Anderen so zu definieren, das diesem die eigenen negativen, schlechten und erniedrigenden Eigenschaften zugeschrieben werden und dies den als wild, barbarisch und zivilisationsfern bezeichneten aufzuzwingen. In dieser Etappe kommt die fortschrittlich westliche Anschauung, westliche Wissenschaft, westliche Rationalität und westliche Denkweise zum Tragen, aber nur unter der Bedingung, die Bedeutung der Taten selbst zu bestimmen.
Der westlichchristlich weiße Mann sollte daran glauben, dass nur er die Geschichte macht, dass seine eigene Zivilisation, also seine (eigene Geschichte), eine besondere (einzige) und von anderen Kulturen nichts übernommene Zivilisation ist und dass Europa auch vor 1492 wertvoller als die anderen Zivilisationen und Kulturen war und dies glaubte er dann auch. Die Zeit war gekommen auch andere zu überzeugen. Zu diesem Zweck wurde die eurozentristische Ideologie entwickelt und der Mensch war stark bemüht dies den Anderen zu infiltrieren. Allmählich gewann das von den Kolonialherren geschaffene Bewusstsein in Eliten der ganzen Welt, in herrschenden Klassen und in den Schulen an Einfluss.
Die von den Europäern geschaffene und angebotene Geschichtsversion wurde auch von einheimischen Eliten verinnerlicht. Die in Schulen gelehrte Geschichte ist im allgemeinen Rahmen noch immer die von den Europäern erzeugte Geschichtsversion. Der Lehrplan der Dritten Welt versucht die eurozentristisch herrschende westliche Ideologie in das Bewusstsein einzuflößen, modernen Kolonialismus zu legitimieren, auszuweiten und anzuerkennen. Die Kolonialherren erkannten frühzeitig, dass zur Konsolidierung und dauernden Erhaltung der imperialistischen Hegemonie und des Kolonialismus das Schaffen einer einheimischen Elite von Bedeutung war. Die von ihrer eigenen Realität und ihrem eigenen Volk restlos entfremdete einheimische Minderheit, deren Gehirne von eurozentristisch ideologischen Trugschlüssen gebrandmarkt sind, wie dem Fortschritt, der Modernisierung, der Aufwärtsentwicklung und der Aufklärung, gegenwärtig auch der Globalisierung, sind stets die Agenten und Handlanger des Imperialismus in den Kolonien und Halbkolonien, derzeitig in der Dritten Welt, gewesen, um die menschlichen und natürlichen Reichtümer der Welt für eine imperialistische Ausbeutung offen zu halten. Daher gab es zwei Seiten bzw. zwei Säulen zur Verinnerlichung der Kolonialisierung: Einerseits eine privilegierte einheimische Minderheit, die durch und mit dem Imperialismus geschmiedete Beziehungen die eigene Bereicherungen (Wirtschaft; Investition) erhalten, welche zum Nachteil der Mehrheit in der Gesellschaft sind und andererseits eine so genannte gebildete, "aufgeklärte" Schicht, die sämtliche Bereicherung legitimiert. Diese Interessensgemeinschaft beider einheimischer Elemente mit dem Imperialismus ermöglicht eine Fortführung des Ausbeutungs- und Abhängigkeitsverhältnisses. Auch wenn mit der Zeit die Aussage sich ändert, bleibt die Richtung des Verhältnisses gleich, also ist sein Wesen stets gleich bleibend. Aus einer allgemeinen historischen Perspektive betrachtet, ist nichts dagegen einzuwenden, dass die Dritte Welt Länder Eliten, seit Anbeginn sich in einem Zustand des Verrats befinden. Selbstredlich glaubten sie daran, dass ihr agieren notwendig, bedeutend, zwingend und alternativlos sei, so sollten die Menschen nicht davon ausgehen, dass dieser Glaube inzwischen aufgegeben sei. Was uns hier nicht interessiert, ist nicht das kolonialisierte Bewusstsein, verkümmerte Verständnis der so genannten "Gebildeten", ihr unbegründeter Argwohn, Delirium und ihre fixe Idee. Im Grunde ist die herrschende Klasse der Dritten Welt im Dienste der imperialistischen Interessen und nicht im Dienste ihrer zugehörigen Gesellschaft oder ihres Volkes, von dem sie behaupten es zu repräsentieren, tätig. Während sie für die imperialistischen Interessen wachen, bekommen sie ihren Anteil von der Ausbeutung und Plünderung. Bedauerlicherweise können sie erfolgreich ihre beschränkten Klasseninteressen als Gesellschaftsinteressen (Trugschlüsse, wie nationale Interessen) vorführen. Seit Jahrhunderten verteufelt die westliche Modernität, oder im gleichen Sinne die westliche Herrschaft, alles was gegen sie agiert. Sie zogen es vor die Hinterfragung als nichtig zu betrachten und diese in Vergessenheit zu verdrängen. Sie scheuten sich nicht dabei Gewalt und Terror anzuwenden, um Widerstand leistende zu unterdrücken und diese zum Schweigen zu bringen. Natürlich gehört hierzu auch der intellektuelle Terror. Wenn der Besiegte seine Niederlage akzeptiert, kann die Geschichte, die er verfasst, nicht darüber hinausgehen den Sieg des Gegners zu erzählen. Das elementare Problem des kolonialisierten Menschen ist, die verbreitete Ideologie der Kolonialherren verinnerlicht zu haben und seiner eigenen Vergangenheit und Gegenwart entfremdet zu sein. Von seiner Vergangenheit getrennt zu sein bedeutet auch von seiner Gegenwart und Zukunft zu entbehren, also seinen Horizont zu verlieren. So betrachtet er seine eigene Realität mit den Augen des anderen (des Kolonialherren) und die Grenzen seiner Betrachtung werden vom Kolonialismusbewusstsein bestimmt. Das gelöschte historische Gedächtnis der Völker und Menschen werden in den Glauben versetzt, dass in der eigenen Vergangenheit nicht wertvolles existiert und sämtlich gutes, schönes, bedeutendes oder vernünftiges nur von Seiten der Herrschenden dargeboten wird. Überall in der Dritten Welt, insbesondere von der gebildeten Klasse, wird ständig bedauert nicht als Europäer auf die Welt gekommen zu sein. Selbst beim verherrlichen der eigenen Identität und Vergangenheit wird der Europäer nachgeahmt und von Minderwertigkeitskomplexen kann nicht abgelassen werden. Das Leugnen der eigenen Identität und Vergangenheit und diese für nichtig zu erklären und sich jener zu entfremden, veranlasst ein psychologisches Trauma, das selbstverständlich unausweichlich ist. Die Geschichte ist damit gekennzeichnet, dass Zivilisationen unter gegenseitigem Einfluss entstanden und ihre Entwicklungen der Übernahme verdanken. Zivilisation und Wissenschaft sind das gemeinsame Erbe der Menschheit und so sollte es auch sein. Die Aussage, dass das westliche Europa dynamisch und der Rest der Welt stagnierend und untalentiert gegenüber der Erschaffung von Fortschritt sind, ist ein Trugschluss. So bewegen sich vor dem Jahre 1492 sämtliche Gemeinschaften und Zivilisationen in eine ähnlich "fortschrittliche" und "entwickelnde" Richtung. Die Produktionstechniken und das Zivilisationsniveau sind niemals rückständiger als jene Europas gewesen. Eines der Gründe für den Fortschritt Europas ist die Anlehnung der großen Zivilisationen des Mittleren Ostens und Asiens. Das antike Griechenland lehnte an Ägypten, Indien, Phönizien und China, die islamisch arabische Zivilisation lehnte an das antike Griechenland und Europa lehnte seine Zivilisation an die arabische Kultur. Das eigentliche Problem ist nicht die Zeit vor, sondern die Zeit nach 1492. So konnten die westlichen Europäer dank Genozid, Versklavung, Massaker, Ausbeutung und Plünderung nicht nur die Kluft zu anderen Völkern ausdehnen, sonder dadurch auch deren Entwicklung verhindern. Von den Staaten, die ihre Unabhängigkeit erlangten, ist ein umgekehrter Zentralismus, also das Erschaffen eines Asien- bzw. Afrikazentralismus auferlegt worden. Die Führungseliten der neuen unabhängigen Staaten werteten ihre eigene Vergangenheit mit der Behauptung auf, die Nachfahren der Erschaffer der eigentlichen Zivilisation zu sein und gingen so den Weg den Eurozentrismus und Nationalismus aus umgekehrter Richtung zu erzeugen. Mit einer von Außen erzwungenen erfundenen ruhmreichen Vergangenheit und einer erschaffenen mystifizierten Ideologie versuchte man die Massen zu manipulieren und sie damit zu Täuschen. So konnten sie sich aus dem Blickwinkel der Massen herausnehmen und verbergen, dass sie die "einheimischen Vertreter" des Imperialismus sind. Folglich imitierten sie in jedem Bereich den Westen.
Der weiße Mann, Vertreten durch die USA, zeigt keine Annäherung zur Achtung von internationalem Recht und passt sich keiner internationalen Konvention an. Zudem sieht er diesen Akt als sein Recht an. Durch das Erfinden eines "Anlasses" erklärt er einem geeigneten Land den Krieg, kann so seine neuen Waffen erproben und nuklear radioaktiven Müll entsorgen. Er besetzt jeglichen Ort den er vereinnahmen will. Am Anfang der modernen Ausbeutung hat das Christentum mit der Ausrede die anderen zu zivilisieren Länder besetzt, Völker ermordet, sie unterjocht und zu seinen Kolonien gemacht. Heute verfolgt er diese dieselbe Politik, nur über andere Wege, wie aus Gründen der 'humanitären Hilfe', 'Demokratie', 'Menschenrechte' usw.
Unter den Bedingungen, in denen es ein System wie Sowjets, die ein Gleichgewicht schufen, nicht mehr existiert, lebt sich Imperialismus viel freier aus. Dadurch dass es keine sozialistische 'Drohung' mehr gibt agiert die Westliche Welt wesentlich freier. Jedoch wird auch die Westliche Welt erkennen müssen, das es nicht so einfach machbar ist, ihre Ziele auf der Welt im Allgemeinen durchzusetzen. Das palästinische Volk demonstriert seit Jahren, dass es anders läuft... Also wenn die unterdrückten Völker nicht völlig ausgelöscht sind und immer noch gegen Ausbeutung und Imperialismus kämpfen, dann heißt das, dass es auch andere Wege gibt... Die USA (und ihre Verbündeten) hatten Somalia, obwohl dieser Staat keine Hilfe verlangt hatte, mit der Rechtfertigung, der humanitären Hilfe besetzt. Viele Andere sind ihnen gefolgt. Auch Afghanistan wurde mit dem Zweck, die Menschheit vom Terror zu befreien, besetzt. Auch Iraks Bedürfnis war Demokratie und die Demokratie wurde dort hin 'transportiert'... Der weiße Mann bringt von Lateinamerika bis zum nahen Osten, von Afrika bis zum Südasien immer noch Demokratie, Frieden, Stabilität, Menschenrechte, Wohlstand, Fortschritt usw.
'Humanitäre Hilfe' kann man überall sofort bekommen! Die imperialistischen Interessen gelten als die Interessen gesamter Menschheit und der imperialistische Westen möchte die Welt immer nach seinen eigenen Interessen gestalten.

 

 

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