Vor
91 Jahren wurde Deutschland durch die revolutionäre Welle
erschüttert. Diese revolutionäre Welle, die zwar als
die deutsche Revolution oder auch als der spartakistische Aufstand
in die Geschichte eingegangen ist, hatte eigentlich die Bedeutung
und den Charakter das Schicksal der Weltrevolution, demgemäß
auch der Bourgeoisie, zu bestimmen. Aus diesem Grund sagte auch
Lenin im Januar 1918: „Wenn es in Deutschland keine Revolution
stattfinden würde, dann würde dies auch unser Todesurteil
sein.“ Das Erwartete ist nicht passiert und die deutsche
Revolution wurde besiegt. Und die Besiegte war nicht nur die
deutsche Revolution, sondern auch die Weltrevolution. Und die
Sieger waren nicht nur die deutsche Bourgeoisie, sondern auch
die internationale Bourgeoisie. Kurz, die Schlacht, die in Deutschland
war sowohl aus der Sicht der internationalen Bourgeoisie als
auch aus der Sicht des internationalen Proletariats, eine Schicksalsschlacht.
Der Sieger war leider die internationale Bourgeoisie. Aber der
Krieg geht weiter. Und die Niederlage in der Geschichte in einen
Sieg um zu wandeln, ist nur dann möglich, wenn die Lehren
(Revolutionärerweise) im revolutionären Sinne aus
der Vergangenheit gezogen werden. Was wir jedoch mit „Lehren
ziehen“ meinen, ist nicht den Verrat der Sozialdemokratie
darzulegen, die Rechnung auf ihn zu stellen und mit der Sache
fertig zu werden, weil die Sozialdemokratie gemäß
ihrem Wesen gehandelt hat, und dies auch der von den spartakistischen
VorkämpferInnen erwartete Zustand war. Daher, woraus die
revolutionäre Bewegung Lehren ziehen und was sie überwinden
sollte, sind nicht die Auffassung und die Praxis der Sozialdemokratie,
sondern die Auffassung und die Praxis der Spartakisten. Einige
könnten auch diese Fragen stellen: „Nun, falls die
Spartakisten die Sache und ihren Verlauf richtig erfasst und
dementsprechend richtig gehandelt hätten, hätte sich
das Schicksal der deutschen Revolution und folglich der Weltrevolution
ändern können? Waren nicht der Verrat der Sozialdemokratie
und ihr starker Einfluss über die deutsche ArbeiterInnenklasse
der Grund der Niederlage gewesen? Dies ist ganz und gar spekulativ
und demgemäß werden auch die Antworten zu diesen
Fragen spekulativ sein. Jedoch können wir nur so viel sagen,
nämlich in dem zaristischen Russland hatten die Sozialrevolutionären,
die Menschewiken und die Anarchisten auch ähnlich starken
Einfluss über die ArbeiterInnenklasse und über die
arme Bauernschaft gehabt. Aber trotz dieses und trotz der aktiven
Widersetzung dieser Kräfte haben die Bolschewiken dennoch
die siegreiche Oktoberrevolution verwirklicht.
Deshalb, was heute die revolutionäre Bewegung machen sollte,
ist nicht diesen spekulativen Diskussionen zu führen und
hinter den Verrat der Sozialdemokratie zu verstecken, sondern
von der bolschewistischen Grundlage aus die Fehler der Spartakisten
zu verstehen und sie zu überwinden. Sonst werden die Würger
der Revolution von 1918 weiter herrschen.
DER ANFANG VOM ENDE WAR DAS FRIEDENSVERHALTEN DER SPARTAKISTISCHEN
FÜHRUNG GEGENÜBER DEM OFFENEN TOTALEN IMPERIALISTISCHEN
KRIEG
Obwohl die spartakistische Führung sich der chauvinistischen,
vaterlandsverteidigenden Haltung der II. Internationale gegenüber
dem Offenen Totalen Imperialistischen Krieg heftig widersetzt
hat, hat sie dennoch statt des revolutionären Klassenkampfes
gegen den Offenen Totalen Imperialistischen Krieg ein Friedensverhalten
unter dem Motto „Frieden gegen den Krieg“ angenommen.
Diese Haltung, die keine kommunistische ist, kommt in erster
Stelle der Ursachen, die zur Niederlage der Revolution in Deutschland
und traurigerweise zur Ermordung der spartakistischen VorkämpferInnen
geführt haben. Wenn die Spartakisten bei der Konferenz
in Zimmerwald als die Haltung der Minderheit hervorgetretene
Haltung von Lenin, nämlich „Revolutionärer Krieg
gegen den imperialistischen Krieg“, angenommen, und nicht
stattdessen die Masse, um den Offenen Totalen Imperialistischen
Krieg zu stoppen, sondern für einen Gegenkrieg zu organisieren,
mobilisiert und in dieser Hinsicht gehandelt und ihren Willen
gezeigt hätten, dann wäre das auch in Deutschland
geschafft worden, was die Bolschewiken im Jahre 1917 in Russland
geschafft hatten. Dies ist jedoch nicht geschehen. Während
die Bolschewiken mit dem Willen einen Gegenkrieg organisierten,
kämpften die Spartekisten für den Frieden. Erst dann
als die Dialektik des Lebens ihnen das Dilemma, entweder sich
zu ergeben oder Widerstand zu leisten, drängte, und die
Konterrevolution mit dem totalen Angriff begann, errichteten
die Spartakisten die Barrikaden. Es war jedoch zu spät
und die Niederlage war unvermeidlich.
Ebenso wie die Geschichte, welche im Jahre 1915 als eine Minderheitshaltung
dargelegte und verdammte Haltung Lenins mit der Oktoberrevolution
gekrönt hat, hat die gleiche Geschichte auch diejenigen,
die den Frieden gegen den Offenen Totalen Imperialistischen
Krieg verteidigt haben, verurteilt. Die im Oktober 1917 durch
die Geschichte selbst endgültig entschiedene Sache über
den Krieg und die revolutionäre Haltung wird heute wieder
hervorgeholt. Dies ist nichts anderes als die Bemühung,
das Urteil der Geschichte zu leugnen. Gerade diese Haltung bedeutet
die erneute Ermordung der revolutionären VorkämpferInnen,
denn die spartakistischen VorkämpferInnen, obwohl es zu
spät war und die Selbstkritik als Folge des derartigen
Drängens des Feindes, „entweder sich zu ergeben oder
getötet zu werden“ gemacht wurde, machten die Selbstkritik
ihres Fehlers, indem sie heldenhaft Widerstand geleistet und
den Tod ihr Haupt aufrecht haltend die Stirn geboten haben.
Heute ist die Verteidigung der Sache, die die Spartakisten vertraten,
und das, was sie nicht zu Ende bringen konnten zu vervollständigen,
nur möglich, indem die Barrikaden, die sie nicht mit Willen
errichtet haben, als das Unumgängliche des Klassenkampfes
betrachtet und von heute beginnend mit Willen aufgebaut werden.
Also, genau das tun, was die Bolschewiken in Russland getan
haben.
DAS UNVERMEIDLICHE ENDE, DAS ALS FOLGE
DES NICHT RECHTZEITIGEN ERKENNENS DER LEBENSNOTWENDIGKEIT EINER
REVOLUTIONÄREN PARTEI DURCH DIE SPARTAKISTISCHE FÜHRUNG
ENTSTANDEN IST
„In dieser Beziehung waren Lenin, Trotzki und ihre Freunde
die ersten, die dem Weltproletariat mit dem Beispiel vorangegangen
sind. Bis jetzt sind sie immer noch die einzigen, die laut schreien
können: `Ich hab´s gewagt! ´
dies ist das Wesentliche und Beständige in der Politik
der Bolschewiken. In diesem Sinne …
In Russland konnte das Problem nur dargelegt werden. Es konnte
aber nicht in Russland gelöst werden. In diesem Zusammenhang
gehört die Zukunft überall dem Bolschewismus.“
Es wäre möglich gewesen, wenn Rosa Luxemburg, der
höher fliegende Adler der internationalen Revolution, die
diese Lobrede gehalten hat, rechtzeitig erkannt hätte,
dass dieser Erfolg von Lenin, Trotzki und ihren Freunden nicht
zufällig, sondern eine Folge der geplanten Tätigkeit
von ihnen war, die Flamme, die in Russland entfacht wurde, nach
Deutschland und von dort aus auf die ganze Welt zu tragen (zu
verbreiten).
Die spartakistischen VorkämpferInnen wollten die Lebensnotwendigkeit
einer revolutionären Partei trotz der Warnungen Lenins,
nicht wahrhaben. Bis 1918, als die Revolution an die Tür
klopfte... Erst dann suchten die spartakistischen VorkämpferInnen
nach einer revolutionären Partei, die es aber nicht gab.
R. Luxemburg und die anderen spartakistischen VorkämpferInnen
haben, während sie in der SPD waren, früh erkennen
können, dass die Parteiführung, die die II. Internationale
beeinflusste, in eine konterrevolutionäre Politik mündete.
Jedoch weigerten sie sich bis zur letzten Minute eine selbständige
revolutionäre Partei zu gründen, und stellten sie
sich auch noch entschlossen gegen die vorhandenen Haltungen.
Hätte ihre Weitsicht in Folge dessen zu einer organisatorischen
Spaltung und die organisatorische Spaltung zu einer fest strukturierten
leninistischen Partei geführt, hätten sie die revolutionäre
Rolle wie die bolschewistische Partei im Oktober 1917 in Russland
spielen können. Vor allem, eine erfolgreiche Revolution
in Deutschland hätte die Lokomotive für die Weltrevolution
werden können. Aber dies ist nicht geschehen... Dies ist
nicht geschehen, weil sie besiegt waren... Besiegt, weil es
keine Partei gab, die eine Revolution verwirklichen konnte.
Als die unumgängliche Notwendigkeit einer revolutionären
Partei ihnen bewusst wurde und sie sich von den konterrevolutionären
Parteien und auch von den zentralistischen Parteien, die zwischen
der Konterrevolution und der Revolutionsfront standen, trennten,
war es schon zu spät um eine revolutionäre Partei
zu errichten. Weil sie ihre Fehler zu spät eingesehen hatten,
konnten sie nichts mehr ändern, auch wenn sie mehr als
das Erdenkbare getan haben, um die Versäumnisse nachzuholen.
Indem sie wegen dieser Verspätung einen sehr hohen Preis
gezahlt haben, haben sie ihren NachfolgernInnen unumgängliche
Erfahrungen hinterlassen.
Es hätte alles anders werden können, und wir hätten
heute, dass was R. Luxemburg für die Bolschewiken vor 91
Jahren sagte, so vervollständigt:
„Ja, die Bolschewiken waren es, die dem Weltproletariat
den Weg freigemacht und so geschrieen haben: `Ich hab’s
gewagt! ´. Aber die Spartakisten waren es, die die in
Russland entfachte revolutionäre Flamme nach Deutschland
getragen haben. Und dadurch wurde die Weltrevolution verwirklicht.
Demgemäß ist das, was die Spartakisten in Deutschland
getan haben, das gleiche, was die Bolschewiken in Russland getan
haben.
Aber es ist nicht der Fall geworden und weder die Spartakisten
konnten tun, was die Bolschewiken in Russland getan hatten,
noch wir konnten es vervollständigen, was R. Luxemburg
über die Bolschewiken vor 91 Jahren gesagt hatte.
Nun, das Problem, das in Russland nur dargelegt werden konnte,
wartet auf seine Lösung auf der internationalen Ebene.
Ebenso wartet auch das, was R. Luxemburg vor 91 Jahren sagte,
auf seine Vervollständigung.
ÜBER DIE „SOZIALISTISCHE“ BEWEGUNG, DIE, ANSTATT
VON DER NIEDERLAGE VON 1918 DIE NOTWENDIGE LEHRE ZU ZIEHEN,
DEM WÜRGER DER REVOLUTION ÄHNELT
Die heutige „sozialistische“ Bewegung ist trotz
der vergangenen 91 Jahre nicht in der Lage, aus den Erfahrungen,
die die spartakistischen VorkämpferInnen gemacht haben,
und dafür einen hohen Preis zahlen mussten, die notwendige
Lehre zu ziehen oder gar sich darum zu bemühen.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung richtet sich,
statt sich von der Sozialdemokratie und den anderen zentralistischen
Bewegungen zu trennen, welcher der unumgängliche erste
Schritt der revolutionären Partei wäre, auf eine Richtung,
die eine linke Version der Sozialdemokratie zu werden bedeutet.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung hat weder
ein revolutionäres Programm noch eine revolutionäre
Politik und eine revolutionäre Organisation oder eine revolutionäre
Organisationsansicht.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung neigt dazu,
aufgrund der Marginalisierungs- und Auflösungsbefürchtungen,
sich mit der Sozialdemokratie und den zentralistischen Bewegungen
zusammenzuschließen.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung verlangt Frieden
unter der Herrschaft des Kapitalismus, statt den weltweiten
revolutionären Krieg zu organisieren, um den Kapitalismus
zu vernichten, der für die Armen permanenten Krieg bedeutet.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung organisiert
mit dem deutschen Staat die Demonstrationen „gegen die
Ausländerfeindlichkeit“, wobei der deutsche Staat
Selbstorganisator der Feindlichkeiten der Privilegierten gegen
die Menschen, die aus den armen Ländern kommen, ist. Durch
diese Mitwirkung schließt sich die „sozialistische“
Bewegung der Geheimhaltung des deutschen Staates an, die die
„deutsche Nation“ zum Komplizen mit der Feindlichkeit
gegenüber Menschen aus armen Ländern macht. Statt
selbst auf dem Verbrecherstuhl zu sitzen, setzt der deutsche
Staat Unbekannte oder sogar selbst gezüchtete Nazis auf
diesen.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung verteidigt
lauthals die Vertuschungsaktion des deutschen Staates, in dem
sie den jüdischen ZwangsarbeiterInnen ein bestimmtes Blut-Geld
bezahlen. Somit unterstützt die heutige „sozialistische“
Bewegung durch ihre Verteidigung den deutschen Staat in seiner
Aktion, die Beziehung zwischen der Nazi-Zeit und der heutigen
Zeit zu verbergen, obwohl der deutsche Staat das Erbe der Nazi-Zeit
ist, bezeichnet er diese Ereignisse noch immer als „Unglück“.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung ähnelt
dem deutschen Staat und der „deutschen Nation“,
während sie in einer deutschen Komödie unter dem Namen
„Toleranz“ ihre Rolle spielt.
Die heutige „sozialistische“ Bewegung setzt sich
für die Kriegsstrategie „Sozialstaat“, dessen
Architekt die Sozialdemokratie war, ein, um den „Sozialstaat“,
der als Alternative zur Weltrevolution hervorgebracht wurde,
der durch die weltweite Ausbeutung finanziert wird, der die
westliche ArbeiterInnenklasse in das System integriert und der
die Spaltung der weltweiten ArbeiterInnenklasse fördert,
zu verteidigen.
Kurz, die „sozialistische“ Bewegung ist heute ein
aktiver Verteidiger des Programms der Sozialdemokratie, also
der Würger der Revolution von 1918, geworden. Dieser Zustand
bedeutet aus der Sicht der Würger der Revolution von 1918,
nämlich der Sozialdemokratie, ein Sieg und aus der Sicht
der revolutionären Bewegung eine richtige Tragödie.
Der einzige Weg diese Tragödie zu beenden, führt zum
Schicksal der verdammten revolutionären Minderheit unter
der Führung von Lenin zu verfallen, wobei damals im Jahre
1914 die chauvinistische, Vaterlandsverteidigende Haltung einen
raschen Anklang fand, nämlich das Verdammte von heute zu
sein, weil das, was die Bolschewiken in der Oktoberrevolution
von 1917 erfolgreich machte, hauptsächlich war, dass sie
den Mut hatten die Verdammten zu werden.