Die Bolschewistische Revolution 1917
von einem anderen Standpunkt
Statt
die Einleitung
Februar
1917, die von Marx und Engels als unvermeidbar angesehene Revolution
in Europa, wenn auch nicht in Russland, aber das von Lenin und
von einer Handvoll Bolschewiken in Russland vorausgesehene Revolution,
war nun mehr als eine Voraussicht, war nunmehr unvermeidbar
geworden. So geschah es auch. Die organisierten ArbeiterInnen
stürzten die vorübergehende Regierung unter der Führung
der Bolschewistischen Partei und übernahmen die Macht und
das Leben.
91 Jahre sind seitdem vergangen. Sogar die UdSSR, welcher nichts
andere als eine Karikatur vom Sowjetstaat, wurde von der Geschichtsbühne
ausgelöscht, aber die Wirkung der Bolschewistischen Revolution
konnte gegenwärtig nicht aus gelöscht werden. Denn
es ist nicht möglich die Spuren der Bolschewistischen Revolution
auszulöschen. Die Spuren dieser Revolution sind so tief
eingedrungen, dass die Bolschewistische Revolution nunmehr eine
untrennbare Komponente der Geschichte ist, die nun eine Tatsache
ist.
Nun, wenn die Bolschewistische Revolution auch physisch nicht
mehr existiert, existiert sie gegenwärtig weiterhin über
ihre hintergelassenen Spuren in der Geschichte. So hat sie,
sowohl aus der Sicht der gegenwärtigen Herrschenden als
auch für die KommunistInnen, die für die Zerschlagung
der Zeit der Herrschenden kämpfen, weiterhin eine Bedeutung.
Denn es gibt keine andere Oktoberrevolutionserfahrung. Das erste
Mal wurden Steine zum weg des wahren Paradieses der Ausgebeuteten,
durch die Oktoberrevolution gelegt und die Ausbeuter die das
Paradies auf erden zur Hölle machten für die Ausgebeuteten
spürten zum ersten Mal das Höllen Feuer der Revolution.
Die Bedeutung der Oktoberrevolution von einem anderen Standpunkt
ist, dass die Idee des Sozialismus zum ersten Mal im Leben angewandt
wurde. Kurz die Utopie wurde Wirklichkeit.
Ein andere Bedeutung der Oktoberrevolution ist die Verurteilung
der Auffassung, dass die sozialistische Revolution nicht zu
verwirklichen sei, in einem Land in der der Kapitalismus, die
kapitalistische Produktionsverhältnisse und kapitalistische
Kultur nicht ausreichend entwickelt ist, oder dass die Revolution
keinen sozialistischen Charakter haben wird.
Noch eine andere Bedeutung der Oktoberrevolution ist die Verurteilung
der anarchistischen Auffassung, die den Übergangsstaat
ablehnt, nämlich die proletarische Diktatur und den direkten
Übergang zur kommunalen Leben verteidigt.
Die Praxis der Oktoberrevolution hat gezeigt, dass der Prozess
nach der Revolution, noch schwieriger, noch kollidierender und
noch zur Gewalt offeneren Phase geworden ist als die Revolution
zu machen.
Kurz, es ist nicht möglich die Oktoberrevolution zu vergessen.
Es gibt kein anderes größere Beispiel in diesem Maße,
indem, sowohl die Herrschenden, die über das gegenwärtige
Leben herrschen, als auch die Betroffenen von diesen Leben,
sowie die KommunistInnen, die für eine Welt kämpfen,
in der die Betroffenen von diesen Leben, Kontrolle über
eigenes Leben haben, eigene Kräfte und ihre Ideologien
prüfen konnten (geprüft haben) und ihre Lehren zogen.
Demzufolge werden wir uns, statt der bekannten Seiten der Oktoberrevolution,
mit der Bedeutung der Oktoberrevolution von einem anderen Standpunkt
auseinandersetzen.
Genauer, wir werden hier mit dem entstandenen Bruch, durch die
Oktoberrevolution, bei der herrschenden Revolutionsauffassung,
die, sowohl in der sozialistischen Bewegung in der Zeit von
Marx und Engels, als auch in der sozialistischen Bewegung nach
der Zeit von Marx und Engels herrschte, und bei der „evolutionäre,
kategorische Gesellschaftsentwicklungstheorie“ uns auseinandersetzen.
Die Oktoberrevolution war gleichzeitig eine Revolution gegen
die Auffassung
„der etappenweise Revolution
und der evolutionäre Gesellschaftsentwicklungstheorie“
von Marx
Sicherlich
ist eine der wichtigsten Seiten der Oktoberrevolution, das sie
gegen die Auffassung von Marx war, nämlich gegen die Auffassung
„der etappenweise Revolution und der evolutionären
Gesellschaftsentwicklungstheorie“.
Es ist bekannt, dass Marx die Revolution in den Ländern
voraus sah, in der der Kapitalismus sich entwickelt hat. Er
sah es als eine historische Notwendigkeit an, dass die Vorrausetzung
für eine sozialistische Revolution die Vollendung der „bourgeoisen
Revolution“ ist. So betrachtete Marx die gesellschaftliche
und politische Evolution von Europa als ein „Naturgesetz“,
welches auch für alle Gesellschaften als eine Vorraussetzung
sein soll. Nach Marx ging der Weg zur „Zivilisation“
durch die „Verwestlichung“. Wiederum nach Marx ist
der Kommunismus, die letzte Zivilisationsstufe der Menschheit
und um diese Stufe zu erreichen müssen die ganzen Gesellschaften
den Weg gehen, den die westlichen Gesellschaften gegangen haben.
Marx hat seine Auffassung zu dieser Sache, in seine Artikel
„Die künftigen Ergebnisse der britischen Herrschaft
in Indien“ hinsichtlich der Besetzung von Indien durch
das Großbritannien verfasst hat, ganz offen dargelegt.
„Indien
konnte daher dem Schicksal, erobert zu werden, nicht entgehen,
und seine ganze geschichtliche Vergangenheit, soweit es überhaupt
eine solche hatte, ist die Geschichte der ununterbrochenen Reihe
von Eroberungen, denen es ausgesetzt war. Die indische Gesellschaft
hat überhaupt keine Geschichte, zum mindesten keine bekannte
Geschichte. Was wir als ihre Geschichte bezeichnen, ist nichts
andres als die Geschichte der aufeinander folgenden Eindringlinge,
die ihre Reiche auf der passiven Grundlage dieser widerstandslosen,
sich nicht verändernden Gesellschaft errichteten. Die Frage
ist daher nicht, ob die Engländer ein Recht hatten, Indien
zu erobern, sondern ob ein von den Türken, den Persern,
den Russen erobertes Indien dem von den Briten eroberten vorzuziehen
wäre.
England hat in Indien eine doppelte Mission zu erfüllen:
eine zerstörende und eine erneuernde - die Zerstörung
der alten asiatischen Gesellschaftsordnung und die Schaffung
der materiellen Grundlagen einer westlichen Gesellschaftsordnung
in Asien.
Die Araber, Türken, Tataren, Moguln, die Indien nacheinander
überrannten, wurden rasch hinduisiert, denn einem unabänderlichen
Gesetz der Geschichte zufolge werden barbarische Eroberer selbst
stets durch die höhere Zivilisation der Völker erobert,
die sie sich unterwarfen. Die britischen Eroberer waren die
ersten, die auf einer höheren Entwicklungsstufe standen
und daher der Hindu-Zivilisation unzugänglich waren. Sie
zerstörten sie, indem sie die einheimischen Gemeinwesen
zerschlugen, das einheimische Gewerbe entwurzelten und alles,
was an der einheimischen Gesellschaftsordnung groß und
erhaben war, nivellierten. Die Geschichte der britischen Herrschaft
in Indien verzeichnet kaum etwas, was über dieses Werk
der Zerstörung hinausginge. Spuren einer Erneuerung sind
unter den Trümmern noch kaum bemerkbar. Dennoch hat sie
bereits begonnen.“
(Karl Marx, Die künftigen Ergebnisse der britischen Herrschaft
in Indien,
London, Freitag, 22. Juli 1853)
„Marx
hat in seinen letzen Jahren sich mit den Entwicklungen in Russland
beschäftigt und dass die sozialistische Revolution ohne
die kapitalistische Stufe verwirklicht wird, machbar sei, hat
er hingewiesen“, wenn es auch in dieser Art manche Behauptungen
gibt, das zeigt nicht, dass Marx seine Auffassung „der
etappenweise Revolution und der evolutionären Gesellschaftsentwicklungstheorie“
aufgegeben hat. Denn, Marx hat den Übersprung der kapitalistischen
Stufe von Russland, an den Sieg der sozialistischen Revolution
in Europa gebunden. Nämlich Marx sagt, wenn die sozialistische
Revolution in Europa siegen würde, würde auch die
russische Revolution verbunden mit der europäischen Revolution,
ohne die kapitalistische Stufe, als eine Komponente der sozialistischen
Weltrevolution auf die Weltbühne treten. Wenn auch Marx
indirekt von einer Wahrscheinlichkeit und Möglichkeit der
direkten sozialistischen Revolution, abhängig von dem Sieg
der sozialistischen Revolution in Europa, in Russland erwähnt
hat, bedeutet das nicht, dass er die Auffassung „der etappenweise
Revolution und der evolutionären Gesellschaftsentwicklungstheorie“
aufgegeben hat. Bis zum Ende seines Lebens war Marx an seine
Auffassung gebunden. Demgemäß war die Oktoberrevolution
1917 in Russland gleichzeitig auch eine Revolution gegen die
Auffassung von Marx.
Die Oktoberrevolution betrat nicht nur die Weltbühne unabhängig
von der möglichen sozialistischen Revolution in Europa,
welchen Marx voraussah, stachelte auch gleichzeitig die sozialistische
Revolution in Europa an, wurde auch für die antiimperialistischen
Unabhängigkeitsbewegungen zu Anregung und zum Mut.
Die Oktoberrevolution hat nicht nur in zaristischem Russland
tiefe Wirkungen ausgelöst, hat auch als Ganzes bei dem
historischen Kampf zwischen den Ausbeutern und der Ausgebeuteten
und zwischen den Unterdrückern und der Unterdrückten
tiefe Wirkungen ausgelöst.
Der
britische Historiker Eric Hobsbawm beschreibt den Prozess der
Oktoberrevolution 1917 folgendermaßen:
„Die
Menschheit wartete auf eine Alternative. Und eine diese Alternativen
war 1914 durchaus bekannt. Sozialistische Parteien, die auf
die Unterstützung der sich ausbreitenden Arbeiterklasse
in ihren Ländern bauten und vom Glauben an die historische
Unvermeidlichkeit ihres Sieges durchdrungen waren, boten in
den meisten Ländern Europas diese Alternative an. Und es
sah so aus, als bräuchten die Völker nur ein Signal,
um sich zu erheben und den Kapitalismus durch Sozialismus zu
ersetzen und damit die sinnlosen Leiden des Krieges schließlich
in etwas Sinnvolleres zu verwandeln: die blutigen Geburtswehen
und Konvulsionen einer neuen Welt. Die Russische oder genauer:
die bolschewistische Revolution vom Oktober 1917 war bereit,
der Welt dieses Signal zu geben. Deshalb war sie für dieses
Jahrhundert ein ebenso zentrales Ereignis, wie es die Französische
Revolution von 1789 für das 19. Jahrhundert gewesen war.“
(Eric Hobsbawm „Das Zeitalter der Extreme -Weltgeschichte
des 20. Jahrhunderts“ S. 79)
Die
Oktoberrevolution 1917 war
auch gleichzeitig eine Revolution gegen
die Auffassung „der etappenweise Revolution“ von
Lenin vor der Revolution
Die Oktoberrevolution wird auch als eine Revolution erklärt
in der die Auffassung „der etappenweise Revolution“,
welcher aus irgendeinem Grunde den Menschewiken zugeschrieben
ist, in die Mülleimer der Geschichte abgeworfen wurde.
Es ist richtig, dass die Auffassung „der etappenweise
Revolution“ durch die Oktoberrevolution verurteilt wurde.
Was nicht richtig ist, dass die Auffassung „der etappenweise
Revolution“ den Menschewiken zugeschrieben wird.
Die Menschewiken sind in dieser Frage jedoch nur treue Nachfolger
von Marx. Übrigens haben auch die Bolschewiken mit Lenin,
wenn es auch in einer anderen Art, bis zur Gründung von
Kommintern „die etappenweise Revolution“ verteidigt.
Obwohl, besonders von der Trotzkistischen Bewegung, behauptet
wird, dass „Lenin in den Aprilthesen die Auffassung „der
etappenweise Revolution“ aufgegeben hat“, ist es
nichts anderes als eine erzwungene Behauptung.
Ganz im Gegenteil, als Lenin „Alle Macht den Sowjets“
sagte, hat er damals auch nicht „die etappenweise Revolution“
abgelehnt.
Als Kamenev gegen die Übernahme der Macht von Proletariat
war, mit der Begründung, „Noch ist die bourgeoise
demokratische Revolution nicht vollendet“, antwortet Lenin
zu Kamenev folgendermaßen:
„In
Russland ist die Macht in den Händen eine neue Klasse:
Also in der Händen der
Bourgeoise und die Großgrundbesitzern, die Bourgeoise
wurden. Somit ist die bourgeoise demokratische Revolution vollendet.“
(Lenin)
Mit
dem obigen Zitat ist zu verstehen, obwohl Lenin in den Aprilthesen
direkt die proletarische Diktatur verteidigt, sagt er aber nicht,
dass die Auffassung „der etappenweise Revolution“
durch die Handlungen der ArbeiterInnenklasse entstandenen Zustand
nicht mehr besteht und somit durch die Geschichte verurteilt
ist. Lenin sagt, dass „die der erste Etappe der Revolution
vollendet ist“.
In diesem Sinne sind die erzwungenen Theorien in der Art, „Lenin
hat mit den Aprilthesen die Auffassung der permanenten Revolution
von Trotzki angenommen“ nicht wahr und so eine Gemeinsamkeit
mit Lenin und Trotzki zuschaffen, ist auch nicht realistisch.
Lenin hat die Auffassung „der etappenweise Revolution“
aufgegeben, aber nicht in den Aprilthesen.
Lenin hat die Auffassung „der etappenweise Revolution“
erst nach der Oktoberrevolution aufgegeben, aber das hat er
nie erwähnt.
Die Auffassung der Permanenten Revolution, die gleichzeitig
eine Ablehnung der Auffassung „von der etappenweise Revolution“
ist, wurde die offizielle Auffassung sowohl der bolschewistischen
Partei nach der Oktoberrevolution als auch in der ersten bis
vierten Kongress der Kommintern, aber es wurde nie erklärt,
wie es dazu kam.
Statt des Resultates
Wenn
die Bedeutung der Oktoberrevolution, besonders von der Revolutionärenbewegung,
nicht richtig erfasst wird, nämlich, wenn mit dieser Zeit
und seinen Folgen nicht richtig konfrontiert wird, wird erst
dann an der Oktoberrevolution und an seinen Werten ein Verrat
begangen sein.
Wie wir ganz am Anfang dargelegt haben, ist die Bedeutung der
Oktoberrevolution aus der Sicht von Revolutionären Bewegung
nicht die Darlegung der Tatsachen, dass der Kapitalismus umstürzbar
sei, und dass die ArbeiterInnenklasse die einzige Kraft ist,
die den Kapitalismus stürzen kann.
Das ist für die ArbeiterInnenklasse und für die Unterdrückten
eine einzigartige Erfahrung, damit sie sehen können, dass
der Feind eine besiegbare Macht ist und dass sie die einzige
Kraft ist, die imstande ist alles zu verändern. Aber die
Revolutionäre Bewegung braucht solch eine Erfahrung nicht,
um so ein derartiges Ergebnis zusehen. Denn die Auffassung vom
wissenschaftlichen Sozialismus ist nicht eine Auffassung, die
auf Möglichkeiten basiert.
Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, sollte die Oktoberrevolution
für die Revolutionäre Bewegung und für die ArbeiterInnenklasse
und die Unterdrückten, nicht die gleiche Bedeutung darstellen.
Die eigentliche Bedeutung der Oktoberrevolution für die
Revolutionäre Bewegung
haben wir oben benannt, so dass die kommunistische Auffassung
sich durch die Oktoberrevolution verwirklicht hat, die Folgen
davon sich in den ersten bis vierten Kongress von Kommintern
gezeigt haben.
Aber später wurden die Errungenschaften der Oktoberrevolution
allmählich ganz ausradiert und zu der Linie von der Zweiten
Internationalen, die Erben der Auffassung „der etappenweise
Revolution und der evolutionäre Gesellschaftsentwicklungstheorie“
von Marx zurückgekehrt.
Obwohl die trotzkistische Bewegung die Errungenschaften der
Oktoberrevolution, die auch in den ersten bis vierten Kongress
von Kommintern vertreten wurden, beharrlich verteidigt hat,
hat sie dennoch nicht den Mut gezeigt, um darzulegen, dass eine
Gemeinsamkeit in der Auffassung „der etappenweise Revolution
und der evolutionäre Gesellschaftsentwicklungstheorie“
von Marx bis zu Zweiten Internationale und bis hinzu Lenin vor
der Oktoberrevolution besteht.
Im Gegenteil diese Bewegung hat in diesem Punkt sich bemüht
die Gemeinsamkeit von Marx und der Zweiten Internationale und
mit der Zweiten Internationale und Lenin abzubrechen,
anstatt dieser Gemeinsamkeit hat sie versucht eine Gemeinsamkeit
von Marx zu Lenin und von Lenin zu Trotzki herzustellen.
Demgemäß hat die Revolutionäre Bewegung als
Ganzes, anstatt von der Oktoberrevolution lehren zuziehen, versucht
das Licht der Oktoberrevolution auszulöschen.
Und das macht sie immer noch weiter.
Das Beabsichtigte im 80-zigsten Jahr der Oktoberrevolution ist
auch gegenwärtig das gleiche.
Und das ist ein Verrat an dem revolutionären Erbe von der
Oktoberrevolution.