Lenin und der
imperialistischer Krieg
"Es
war in der Geschichte bis jetzt immer der Fall", schrieb
Lenin 1916, "dass nach dem Tod von unter den Massen populären
revolutionären Führern deren Feinde versuchen, ihre
Namen zu übernehmen, um die unterdrückten Klassen zu
betrügen".
Mit keinem anderen hat die Geschichte diesen Vorgang so grausam
vollbracht als mit Lenin selbst. Die gegenwärtige offizielle
Doktrin des Kremls und die Politik der Komintern zur Frage von
Imperialismus und Krieg setzen sich rücksichtslos über
Lenins Schlussfolgerungen, auf die er die Partei in der Zeit von
1914 bis 1918 brachte, hinweg.
Mit dem Ausbruch des Krieges im August 1914 war die erste Frage,
die sich stellte, folgende: Sollten die Sozialisten der imperialistischen
Länder die "Verteidigung des Vaterlandes" übernehmen?
Der Streitpunkt war nicht der, ob sich Sozialisten individuell
der Einberufung widersetzen sollten oder nicht -da gab es keine
andere Alternative; Desertieren ist keine revolutionäre Politik.
Die Streitfrage war die: Sollten sozialistische Parteien die Kriegspolitik
unterstützen, für das Kriegsbudget stimmen? Sollten
sie dem Kampf gegen die Regierung entsagen und für die "
Verteidigung des Vaterlandes" agitieren? Die Antwort Lenins
war NEIN!
Die Partei darf nicht so handeln, sie hat nicht deswegen kein
Recht dazu, weil es um einen Krieg geht, sondern weil dies ein
reaktionärer Krieg ist, weil es ein erbitterter Kampf zwischen
Sklavenbesitzern um die Neuaufteilung der Welt ist.
Die Formierung der Nationalstaaten auf dem europäischen Kontinent
beanspruchte eine vollständige Epoche, die ungefähr
mit der großen Französischen Revolution begann und
mit dem französisch-preußischen Krieg abgeschlossen
wurde.
Während dieser dramatischen Jahrzehnte hatten diese Kriege
vorwiegend nationalen Charakter. Kriege wurden für die Errichtung
oder Verteidigung von Nationalstaaten, die für die Entwicklung
der Produktivkräfte und der Kultur notwendig waren, geführt
und besaßen in dieser Periode einen grundlegend fortschrittlichen
Charakter. Revolutionäre konnten nicht nur, sondern mussten
nationale Kriege politisch unterstützen.
Von 1871 bis 1914 erlebte der europäische Kapitalismus auf
der Basis der Nationalstaaten nicht nur eine Blüte, er überlebte
sich auch selbst, indem er zum Monopol oder imperialistischen
Kapitalismus wurde. "Der Imperialismus ist jenes Stadium
des Kapitalismus, wo letzterer, nachdem er alles in seiner Macht
Stehende erfüllt hat, zu verfaulen beginnt".
Die Ursache für den Verfall liegt darin, dass die Produktivkräfte
durch das System des Privateigentums ebenso wie durch die Grenzen
des Nationalstaates gefesselt sind. Der Imperialismus sucht die
Welt zu teilen und neu aufzuteilen. Anstelle der nationalen Kriege
treten die imperialistischen. Sie sind völlig reaktionärer
Natur und Ausdruck der Stagnation und Fäulnis des Monopolkapitals.
Die Welt ist jedoch nach wie vor sehr verschieden. Der unterdrückende
Imperialismus der fortgeschrittenen Nationen kann nur deshalb
existieren, weil rückständige Nationen, unterdrückte
Nationalitäten, koloniale und halbkoloniale Länder auf
unserem Planeten weiter bestehen. Der Kampf der unterdrückten
Völker für nationale Vereinigung und Unabhängigkeit
ist doppelt fortschrittlich, denn einerseits bereitet er günstigere
Bedingungen für ihre eigene Entwicklung vor, während
er andererseits dem Imperialismus Schläge erteilt. Das im
besonderen ist der Grund, warum die Sozialisten im Kampf zwischen
einer zivilisierten imperialistischen demokratischen Republik
und einer rückständigen barbarischen Monarchie eines
kolonialen Landes trotz seiner Monarchie zur Gänze auf der
Seite des unterdrückten Landes und gegen das Unterdrückerland
stehen, ungeachtet seiner "Demokratie".
Der Imperialismus tarnt seine ihm eigenen Ziele -Besitzergreifung
von Kolonien, Märkten, Rohstoffquellen, Einflusssphären
mit solchen Ideen wie der "Sicherung des Friedens gegen die
Aggressoren", der " Verteidigung des Vaterlandes",
der "Verteidigung der Demokratie" usw. Diese Ideen sind
durch und durch falsch. Es ist die Pflicht eines jeden Sozialisten,
sie nicht nur nicht zu unterstützen, sondern im Gegenteil
sie vor dem Volke zu demaskieren. "Die Frage, welche Gruppe
den ersten militärischen Schlag geführt oder als erste
den Krieg?; erklärt hat", schrieb Lenin im März
1915, "ist bei der Festlegung der Taktik der Sozialisten
ohne jede Bedeutung. Die Phrasen von der Verteidigung des Vaterlandes,
von der Abwehr eines feindlichen Überfalls, vom Defensivkrieg
usw. sind auf beiden Seiten reiner Volksbetrug". "Für
Jahrzehnte", erklärte Lenin, "haben sich drei Banditen
(die Bourgeoisien und Regierungen Englands, Russlands und Frankreichs)
bewaffnet, um Deutschland zu plündern. Ist es überraschend,
dass die zwei Banditen (Deutschland und Österreich-Ungarn)
eine Attacke begannen, bevor es den dreien gelang, die neuen Messer
zu gebrauchen, die sie bestellt hatten?".
Die objektiv historische Bedeutung des Krieges ist von entscheidender
Wichtigkeit für das Proletariat: Welche Klasse führt
ihn mit welchem Ziel? Das ist ausschlaggebend und nicht die Ausflüchte
der Diplomatie, vermittels derer der Feind immer erfolgreich als
Aggressor dargestellt werden kann. Genauso verlogen sind die Hinweise
der Imperialisten auf die Losungen von Demokratie und Kultur.
",die deutsche Bourgeoisie ...betrügt die Arbeiterklasse
und die werktätigen Massen, indem sie behauptet, sie führe
den Krieg, um die Heimat, die Freiheit und die Kultur zu verteidigen,
um die vom Zarismus unterdrückten Völker zu befreien
und um den reaktionären Zarismus zu vernichten. ...die englische
und französische Bourgeoisie ...betrügt ...die Arbeiterklasse
und die werktätigen Massen, indem sie behauptet, sie führe
Krieg, um die Heimat, die Freiheit und die Kultur gegen den deutschen
Militarismus und Despotismus zu verteidigen." Die verschiedenen
Arten des politischen Überbaus können nicht die reaktionären
Ökonomischen Grundlagen des Imperialismus verändern.
Im Gegenteil, es ist die Basis, die sich den Überbau unterordnet.
"In unseren Tagen ...ist es sogar dumm, an eine fortschrittliche
Bourgeoisie, an eine fortschrittliche bürgerliche Bewegung
zu denken. Jegliche bürgerliche, Demokratie’ ...ist
reaktionär geworden". Diese Einschätzung der imperialistischen
"Demokratie" bildet den Eckstein der gesamten Leninschen
Konzeption.
Da der Krieg also von beiden imperialistischen Lagern nicht für
die Verteidigung des Vaterlandes und der Demokratie, sondern für
die Neuaufteilung der Welt und die koloniale Unterjochung geführt
wird, hat ein Sozialist kein Recht, ein verbrecherisches Lager
dem anderen vorzuziehen. Absolut vergeblich ist jeder Versuch,
"vom Standpunkt des internationalen Proletariats" zu
bestimmen, "die Niederlage welcher der beiden Gruppen von
kriegsführenden Nationen das kleinere Übel für
den Sozialismus wäre."
Schon in den ersten Tagen des September 1914 hat Lenin das Wesen
des Krieges für jedes der imperialistischen Länder und
für alle Gruppierungen wie folgt charakterisiert: "Kampf
um die Märkte und Raub fremder Länder, das Bestreben,
die revolutionäre Bewegung des Proletariats und der Demokratie
im Innern der Länder zu unterbinden, das Bestreben, die Proletarier
aller Länder zu übertölpeln, zu entzweien und abzuschlachten,
indem man im Interesse der Bourgeoisie die Lohnsklaven der einen
Nation gegen die Lohnsklaven der anderen Nation hetzt - das ist
der einzige reale Inhalt, die einzige reale Bedeutung des Krieges."
Wie weit entfernt ist all das von der jetzigen Doktrin Stalins,
Dimitroffs und Co.!
Die Politik der "nationalen Einheit" während des
Krieges bedeutet, sogar mehr noch als in Friedenszeiten, die Unterstützung
der Reaktion und die Fortführung der imperialistischen Barbarei.
Eine solche Unterstützung zu verweigern - die elementare
Pflicht eines Sozialisten - ist jedoch nur die negative oder passive
Seite des Internationalismus. Das alleine ist nicht genug. Die
Aufgabe der Partei des Proletariats ist "allseitige, sowohl
unter den Truppen als auch auf den Kriegsschauplätzen zu
treibende Propaganda für die sozialistische Revolution und
für das Gebot, die Waffen nicht gegen die eigenen Brüder,
die Lohnsklaven anderer Länder zu richten, sondern gegen
die reaktionären und bürgerlichen Regierungen und Parteien
in allen Ländern. Es ist unbedingt notwendig, für eine
solche Propaganda in allen Sprachen illegale Zellen und Gruppen
in den Armeen aller Nationen zu organisieren. Gegen den Chauvinismus
und ,Patriotismus' der Kleinbürger und Bourgeois ist in ausnahmslos
allen Ländern ein schonungsloser Kampf zu führen".
Aber ein revolutionärer Kampf in Kriegszeiten kann zur Niederlage
der eigenen Regierung führen. Diese Schlussfolgerung schreckte
Lenin nicht. "In jedem Land darf der Kampf gegen die eigene
Regierung, welche einen imperialistischen Krieg führt, nicht
vor der revolutionären Agitation für die Niederlage
dieses Landes zurückschrecken". Das ist genau das, was
die Linie des "Defaitismus" beinhaltet. Skrupellose
Gegner haben versucht, dies dahingehend zu interpretieren, dass
Lenin angeblich die Kollaboration mit anderen Imperialismen guthieß,
um die nationale Reaktion zu besiegen. Tatsächlich war das,
von dem er sprach, ein paralleler Kampf der Arbeiter aller Länder
gegen ihren eigenen Imperialismus, als ihren primären und
nächsten Feind. " Vom Standpunkt der Interessen der
arbeitenden Massen und der Arbeiterklasse Russlands aus betrachtet",
schrieb Lenin im Oktober 1914 an Schljapnikow, "kann es nicht
den leisesten Zweifel geben -kann es absolut nicht den leisesten
Zweifel irgendeiner Art geben - dass jetzt das geringere Übel
die unverzögerte Niederlage des Zarismus wäre".
Es ist unmöglich, gegen den imperialistischen Krieg zu kämpfen,
wenn man nach der Art der Pazifisten nach Frieden jammert. "Pazifismus
und abstrakte Friedenspredigt sind eine Form der Irreführung
der Arbeiterklasse. Im Kapitalismus, und besonders in seinem imperialistischen
Stadium, sind Kriege unvermeidlich."
Ein von Imperialisten geschlossener Friede würde nur eine
Atempause vor einem neuerlichen Krieg sein. Nur ein revolutionärer
Massenkampf gegen Krieg und Imperialismus, den der Krieg hervorbringt,
kann einen wirklichen Frieden sichern. "Ohne eine Anzahl
von Revolutionen ist der so genannte demokratische Frieden eine
kleinbürgerliche Utopie."
Der Kampf gegen die einschläfernden und schwächenden
Illusionen des Pazifismus findet Eingang in die Leninsche Doktrin
als ihr wichtigstes Element. Er wies mit besonderer Feindseligkeit
die Forderung nach "Abrüstung als offensichtlich utopisch
unter kapitalistischen Verhältnissen" zurück. "Eine
unterdrückte Klasse, die nicht danach strebt, die Waffen
handhaben zu lernen und Waffen zu besitzen, ist nur wert, als
Sklave behandelt zu werden".
Und weiter: "Unsere Losung muss lauten: Bewaffnung des Proletariats,
um die Bourgeoisie zu besiegen, zu expropriieren und zu entwaffnen.
...Erst nachdem das Proletariat die Bourgeoisie entwaffnet hat,
kann es, ohne an seiner weltgeschichtlichen Aufgabe Verrat zu
üben, alle Waffen zum alten Eisen werfen".
Dies führt zu dem Schluss, den Lenin in Dutzenden von Artikeln
zieht: "Die Losung, Friede’ ist falsch. Die Losung
muss sein, den nationalen Krieg in einen Bürgerkrieg zu verwandeln".
Die meisten Arbeiterparteien in den fortgeschrittenen Ländern
wechselten auf die Seite ihrer betreffenden Bourgeoisien hinüber.
Lenin bezeichnete diese Tendenz als Sozialchauvinismus: Sozialismus
in Worten, Chauvinismus in Taten. Der Verrat am Internationalismus
fiel nicht vom Himmel, sondern kam als unvermeidliche Fortsetzung
und Entwicklung der Politik reformistischer Anpassung. "Der
ideologisch politische Inhalt des Opportunismus und des Sozialchauvinismus
ist ein und derselbe: Zusammenarbeit der Klassen statt Klassenkampf,
Verzicht auf revolutionäre Kampfmittel, Unterstützung
der, eigenen’ Regierung in einer für sie schwierigen
Lage statt Ausnutzung dieser Schwierigkeiten für die Revolution':
Die Periode der kapitalistischen Prosperität unmittelbar
vor dem letzten Krieg - von 1909 bis 1913 verband die oberen Schichten
des Proletariats sehr eng mit dem Imperialismus. Von den Superprofiten,
die die imperialistische Bourgeoisie im Allgemeinen aus den Kolonien
und den rückständigen Ländern erzielte, fielen
saftige Brosamen auf die Arbeiteraristokratie und -bürokratie.
In der Konsequenz wurde ihr Patriotismus durch direktes Eigeninteresse
an der Politik des Imperialismus diktiert. Während des Krieges,
der alle gesellschaftlichen Verhältnisse bloßlegte,
entspringt "die ungeheure Kraft des Opportunisten und Chauvinisten
ihrem Bündnis mit der Bourgeoisie, den Regierenden und Generalstäben."
Die mittlere und vielleicht breiteste Tendenz im Sozialismus ist
das so genannte Zentrum (Kautsky und andere), das in Friedenszeiten
zwischen Reformismus und Marxismus schwankte und, während
es fortfuhr, sich in breiten pazifistischen Phrasen einzuhüllen,
fast ausnahmslos Gefangener der Sozialchauvinisten wurde. Was
die Massen betraf, so wurden sie von ihren eigenen Apparaten,
die sie sich. im Laufe von Jahrzehnten geschaffen hatten, vollkommen
Im Stich gelassen und betrogen. Nachdem Lenin eine soziologische
und politische Einschätzung der Arbeiterbürokratie der
II. Internationale machte, blieb er nicht auf halbem Wege stehen.
"Einheit mit Opportunisten ist die Allianz der Arbeiter mit
ihrer, eigenen’ nationalen Bourgeoisie und kennzeichnet
eine Spaltung in den Reihen der internationalen revolutionären
Arbeiterklasse..." Daraus entspringt die Folgerung, dass
Internationalisten mit den Sozialchauvinisten brechen müssen.
"Es ist unmöglich, die Aufgaben des Sozialismus in der
jetzigen Zeit zu erfüllen, es ist unmöglich, eine wirklich
internationale Vereinigung der Arbeiter zustande zu bringen, ohne
entschieden mit dem Opportunismus zu brechen..." und ebenso
mit dem Zentrismus, "dieser bürgerlichen Tendenz im
Sozialismus". Der ursprüngliche Name der Partei muss
geändert werden. "Ist es nicht besser, den beschmutzten
und degenerierten Namen der, Sozialdemokraten’ zu verwerfen
und zum alten marxistischen Namen der Kommunisten zurückzukehren?"
Es ist Zeit, mit der Zweiten Internationale zu brechen und die
Dritte aufzubauen.
Was hat sich in den etwas mehr als zwanzig Jahren, die seitdem
verstrichen sind, geändert? Der Imperialismus hat einen noch
gewalttätigeren und repressiveren Charakter angenommen. Sein
konsequentester Ausdruck ist der Faschismus. Die imperialistischen
Demokratien sind mehrere Stufen tiefer gefallen und entwickeln
sich natürlich und organisch zum Faschismus. Die koloniale
Unterdrückung wird immer unerträglicher, je stärker
das Erwachen der unterdrückten Nationalitäten und ihr
Drang nach nationaler Unabhängigkeit ist. Mit anderen Worten:
All jene Wesenszüge, die in die Grundlagen der Leninschen
Theorie des imperialistischen Krieges eingebettet waren, haben
einen noch schärferen und anschaulicheren Charakter angenommen.
Sicherlich, kommunistische Chauvinisten beziehen sich auf die
Existenz der UdSSR, die angeblich einen vollständigen Wendepunkt
in der Politik des Proletariats einleitet. Dazu können wir
folgende Antwort geben: Bevor die UdSSR entstand, haben unterdrückte
Nationen, Kolonien usw. existiert, deren Kämpfe auch verdienten,
unterstützt zu werden. Wenn revolutionäre und fortschrittliche
Bewegungen außerhalb der Grenzen des eigenen Landes unterstützt
werden könnten, indem die eigene Bourgeoisie unterstützt
wird, dann wäre die Politik des Sozialpatriotismus prinzipiell
korrekt gewesen. Es hätte dann auch keinen Grund für
die Gründung der Dritten Internationale gegeben. Das ist
die eine Seite des Falls, aber es gibt noch eine andere. Die UdSSR
existiert nun seit 22 Jahren. Siebzehn Jahre lang blieben die
Prinzipien Lenins in Kraft. Kommunistisch-chauvinistische Politik
nahm ihre Gestalt erst vor 4 bis 5 Jahren an. Das Argument von
der Existenz der UdSSR ist daher nur ein falscher Deckmantel.
Wenn Lenin vor 25 Jahren die Desertion der Sozialisten auf die
Seite ihrer nationalen Imperialismen unter dem Vorwand der Verteidigung
von Kultur und Demokratie als Sozialchauvinismus und Sozialverrat
brandmarkte, dann ist vom leninistischen Standpunkt aus gesehen
genau dieselbe Politik heutzutage mehr als kriminell. Es ist nicht
schwer zu erraten, wie Lenin die heutigen Führer der Komintern
bezeichnet haben würde, die all die Sophistereien der Zweiten
Internationale unter den Bedingungen einer weit grundlegenderen
Zersetzung der kapitalistischen Zivilisation wiederaufleben haben
lassen.
Es ist bösartig paradox, dass die erbärmlichen Epigonen
der Komintern, die ihr Banner in einen schmutzigen Fetzen verwandelt
haben, mit dem sie die Spuren der Kremloligarchie verwischen,
jene "Renegaten" nennen, die den Lehren der Gründer
der Kommunistischen Internationale treu geblieben sind. Lenin
hatte recht: Die herrschenden Klassen verfolgen große Revolutionäre
nicht nur zu ihren Lebenszeiten, sondern rächen sich noch
nach deren Tod an ihnen mit weit raffinierteren Methoden, indem
sie versuchen, sie in Heilige zu verwandeln, deren Mission es
ist, "Recht und Ordnung" zu behüten. Niemand ist
natürlich gezwungen, sich auf die Grundlagen der Lehren Lenins
zu stellen. Aber wir, seine Schüler, werden es niemandem
gestatten, seine Lehren zu verhöhnen und sie in ihr Gegenteil
zu verkehren!
Bereitgestellt
mit Dank vom Genossen Nick Brauns.
Anmerkung:
Dieser
Artikel wurde von Trotzki am 30. Dezember 1938 in Coyoacan, Mexiko
geschrieben. Er erschien im russischen "Biulleten Oppozitsii"
und im Januar 1942 in der englischen Zeitschrift "Fourth
International".